Das Schwert der Vorsehung

Andrzej Sapkowski

Obwohl es sein Ehrenkodex als Hexer eigentlich verbietet, schließt sich Geralt von Riva einer Gruppe von Drachenjägern an – denn Yennefer, seine verloren geglaubte Geliebte, ist unter ihnen…


Geralt von Riva trifft bei einem Auftrag Drei Dohlen, einen reichen Mann, der mit zwei Kriegerinnen unterwegs ist. Zusammen mit Rittersporn schließen sie sich einem Trupp von Drachenjägern an, die zusammen mit einem jungen König das Ungeheuer erlegen wollen. Auch wenn Geralt gar nicht an der Tötung des Wesens interessiert ist, treibt ihn das Wiedersehen mit Yennefer an, den anderen zu folgen. Und tatsächlich treffen sie aufeinander und setzen nach der missglückten Drachenjagd gemeinsam ihre Reise fort.

Erzählt wird danach die Geschichte von den Liebenden, der Zauberin und dem Hexer, was sie zusammen und wieder trennt. Letzten Endes bleibt Rittersporn sein ewiger Freund und Begleiter. Mit und durch ihn lernt er die schöne Bardin Äuglein kennen. Die junge Frau verliebt sich unsterblich in den Hexer. Durch diese Beziehung begreift Geralt das erste Mal, was es mit seiner Verbindung zu Yennefer auf sich hat.

Anderen Aufträgen folgend, begibt sich der Hexe in den Brokilon, einen uralten Wald mit Dryarden und deren Königin. Hier begegnet er das erste Mal Ciri. Die Geschichte um das Schwert und die Bedeutung der Vorsehung beginnt.

Dieses Band behandelt hauptsächlich die Hintergründe der Geschichte. Warum die Charaktere so sind wie sie sind. Dabei geht Sapkowski mit jeder Menge Lebenserfahrung und Humor auf die Höhen und Tiefen der menschlichen Beziehungen ein. Nicht immer gibt es – wie im Leben auch – ein richtiges Happy End. Sehr oft sogar werden Parallelen zu Märchen gezogen. Genau dafür steht die Figur Rittersporns. Aber auch die Zerrissenheit zwischen den Liebenden Geralt und Yennefer wird erklärt. Durch Äuglein offenbart sich dem Hexer sogar eine ganz andere Seite seiner selbst und seiner Beziehung zu Yennefer. 

Nebenher erledigt der Hexer phantasievolle und gut durchdachte Aufträge mit interessanten und auch amüsanten Wendungen. Die Botschaft aus allen ist dennoch dieselbe: Die Welt unterliegt einem Wandel, es geht um das Entstehen und Vergehen von Individuen, deren Nachfolge und was über die Zeiten erhalten bleibt, einen ewigen Kreislauf. Dabei stellt Sapkowski die weiblichen Figuren in allen Geschichten in den Vordergrund. Sie sind Mütter, Herrscherinnen, Geliebte und Kämpferin.
Den Hexer lässt er in diesem Band weiter einen anscheinend gar nicht denkbaren Kampf führen – zwischen Mutant und Mensch, nicht fühlen können und zugleich doch  – zwei allgegenwärtige Konflikte des Protagonisten. In diesem Buch wird sogar verraten, warum ausgerechnet Yennefer seine Geliebte sein muss, was es mit der Zauberin und der Fruchbarkeit im Zusammenhang mit Geralt von Riva auf sich hat. Zumindest geben Sapkowskis Andeutungen viel Raum für Spekulationen. 

Im Gegensatz zu den ersten beiden Büchern erfordert das Lesen des dritten etwas mehr Konzentration. Besonders im letzten Drittel wird die Handlung komplex. Sprünge zwischen Realität und Traum sind enthalten, genauso wie Andeutungen, die den Leser zwingen, die entsprechenden Schlussfolgerungen selbst zu ziehen. 
An Wortwitz, schnellen und unterhaltsamen Dialogen sowie guten Spannungsbögen fehlt es diesem Band allerdings auch nicht. Hier ist Autor seinem Stil treu geblieben.


Eigene Meinung

Bei diesem Band bin ich mir nicht sicher, ob ich alles verstanden habe, was der Autor in die einzelnen Episoden gelegt hat.

Von den dreien das komplizierteste Buch, lediglich der Anfang mit Drei Dohlen und das Ende konnten mich richtig fesseln. Andere Teile der Geschichte waren etwas chaotisch. Außerdem habe ich nicht verstanden, warum Rittersporn auf einmal seekrank sein sollte. Er ist mir in diesem Buch zu trottelig dahergekommen. Das hat er in einigen Szenen nicht verdient.

ACHTUNG SPOILER.

Ganz besonders die Geschichte mit Äuglein und die Begegnung mit der Zauberin, die zudem Heilerin ist, auf den letzten 50 Seiten des Buches ließen mich beim Lesen öfters Straucheln. Was ist Traum, was Wahn, was Realität? Auch wenn es hinterher aufgelöst wird, so bleiben Fragen offen.

Wofür Äuglein steht und die Zauberin, ist mir bewusst. Doch was sich genau zwischen ihnen und dem Hexer abspielt, das wird nie ganz deutlich, lässt unglaublich viel Platz für eigene Interpretationen. Das ist auf der einen Seite sehr schön, auf der anderen etwas unbefriedigend.

Auch diesmal mag es das eigene Leseempfinden sein.

Ich bin gespannt auf „Das Erbe der Elfen“.


Fazit: Das dritte Buch setzt die Erzählung um den Hexer Geralt von Riva weiter fort und berichtet von dessen Herkunft. Unterhaltsam, kurzweilig, wenn auch mit einigen Schwächen. Dennoch macht es Lust auf mehr.


„…»Was meinst du, bestimmt die Grenze zwischen dem Chaos und der Ordnung?«…“

„…Balladen werden nicht geschrieben, damit man an sie glaubt. Sie werden geschrieben, damit man von ihnen gerührt ist…“

„…Der Vers, der zur Melodie passte, entstand zugleich mit ihr, die Worte fügten sich in die Musik ein, blieben in ihr wie Insekten in goldenen durchsichtigen Stückchen von Bernstein…“

„…Aber, wie gesagt, das ist kein Märchen, sondern das Leben, das wir uns selber mit Glücksmomenten anfüllen müssen, denn auf das Schicksal und seine Gunst kann man, wie du weißt, nicht zählen…“

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