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Archiv Mai, 2010

trott-war – die Straßenzeitung aus Stuttgart

Mai
26

In Großstädten atmet Bettler und Millionär dieselbe Luft.

Seit über zehn Jahren gibt es trott-war in Stuttgart. Eine Straßenzeitung, deren Verkäufer nach all den Jahren zur Innenstadt gehörten, genau wie die Eisverkäufer, Zeichner und Musikanten. Kaum mehr vorstellbar, dass am Durchgang zum Schillerplatz kein Trott-war-Verkäufer mehr steht, oder am Haufler und Breuninger.


trott-war ist mittlerweile mehr als eine Straßenzeitung in der über Harz IV, Ein-Euro-Jobs und die Geschichten der Verkäufer berichtet wird. Mit weiteren Projekten wie dem Wohnprojekt, Theater-Team und der alternativen Stadtführung entstehen Projekte, die es sich lohnt zu unterstützen.

Die aktuelle Ausgabe im Mai ist besonders sexy, das Thema ist Leidenschaft. Auf http://www.trott-war.de kann man unter News die aktuelle Ausgabe anschauen.

Neben unserer digitalen Online-Welt ist trott-war ein Projekt, das Menschen verbindet, für die es nicht selbstverständlich ist, einfach mal den Rechner einzuschalten. Vielleicht war es auch lange nicht „normal“ überhaupt irgendetwas einzuschalten und sei es nur der Lichtschalter im eigenen Zimmer. Das Engagement der Journalisten, die unentgeltlich für trott-war schreiben, ist wirklich lobenswert. Eine Zeitung als neue Perspektive, eine Chance wieder in das, was man Gesellschaft nennt, zurückzukehren. Und vielleicht sogar als Therapie, für oder gegen was auch immer. Auf jeden Fall ist dieses Blatt eine gesellschaftliche Bereicherung für Stuttgart.

Einmal im Monat 1,70 Euro für eine Alternative, einen Traum und Lesespaß auszugeben, ist eine verdammt gute Investition. Ein Bild-Leser gibt monatlich bis zu 10,00 Euro, vielleicht sogar 12,00 Euro aus, damit sich der Axel Springer Verlag freut. Warum eigentlich?


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Stern- und Geisterstunden

Mai
23

Stern- und Geisterstunden

Antonia S. Byatt

Wunderbar gruselige Geschichten von Antonia S. Byatt, der Meisterin des Untergründigen: In ihren Erzählungen lässt sie die Grenze zwischen Wirklichkeit und Fantasie verschwimmen und öffnet dem Leser einen Blick auf eine andere, geheimnisvolle Welt.

Acht Geschichten wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten und jede hat etwas für sich. Antonia S. Byatt erzählt vom Alltäglichen, das nicht alltäglich ist. Alles beginnt normal mit einer Erzählung auf der Party, der ausführlichen Beschreibung einer Dame, dem Krankenhausalltag, sogar mit einem Schreibkurs. Die Geschichten entführen den Leser in eine seltsam anmutende Welt des scheinbar Gewohnten, Normalen. Byatt schreibt unterschwellig, die Geschichten gaukeln einem etwas vor, manchmal fühlt man sich wohl und auf der nächsten Seite schauert es einen. Oft denkt man den Höhepunkt der Erzählung erreicht zu haben, doch weit gefehlt. Die Pointe kommt viel später, sitzt aber immer, auch wenn sie sich bei einigen Geschichten erahnen läßt. Trotzdem sind nicht alle Geschichten gleich gut.

Die Art zu schreiben, die Wortwahl und den Stil dieser Autorin muss man mögen bzw. sich in ihn einlesen. Er ist wirklich gewöhnungsbedürftig. Das ist mir allerdings schon bei einigen englischen Autoren aufgefallen, vielleicht liegt es auch an den Übersetzungen.

Nach den ersten Seiten schien es mir, dass dieses Buch einer der „Langläufer“ wird. Also immer wieder einmal paar Seiten lesen und sich mehr oder weniger durchquälen. Doch bereits einige Seiten weiter musste ich meine Meinung ändern. Byatt schafft es einen als Beobachter mitten in die Handlung zu holen, man kann in den Geschichten versinken.

Am meisten konnten mich die Geschichten „Körperkunst“, „Frau aus Stein“ und „Rohstoff“ begeistern und überzeugen. Die anderen sind auch nicht schlecht, aber vielleicht muss man ein gewisses Alter erreichen, um sie richtig zu verstehen, so ging es mir zumindest bei „Das rosefarbene Band“ und „Das Ding aus dem Wald“. Gar nicht gefallen hat mir „Juligeist“, dummerweise ist das die erste Geschichte und bei Kurzgeschichten picke ich mir keine raus, sondern lese von vorne nach hinten durch. Eine Geschichte habe ich überhaupt nicht verstanden, es ist „Der Tag, an dem E.M. Forster starb“. Ich kann noch nicht mal sagen, ob ich sie gut oder schlecht fand.

Alles in allem sehr unterhaltsame Lektüre. Nicht immer mit angenehmen Themen versehen, eher etwas nachdenklich, aber ein angenehmes Niveau. Wer hinter dem Titel einfache Geister- und Gruselgeschichten vermutet, der wird allerdings enttäuscht sein. Einfach macht es Byatt den Lesern nicht.


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Rammstein Interpretationen – Ich tu Dir weh

Mai
21

Vorneweg

Deutsches Grundgesetz I. Grundrechte– Artikel 5:

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

Ganz klar, dieser Text hat seinen Reiz. Aus einem einfachen Grund, dem Index! Diese zweite Interpretation habe ich so gut wie fertig gehabt, als mir plötzlich mehr als nur ein Gedanke durch den Kopf ging. Zuerst ging es nur um Provokation, dann Erklärungen, am Schluss wahrscheinlich Feigheit. Vielleicht ist dieser Eintrag eine Mischung aus allem. Wer den Songtext vollständig lesen möchte soll googlen. Er ist kinderleicht ihn zu finden und damit ein herzliches Willkommen in Absurdistan.

Der Text ist eindeutig und dieser Index ist in der heutigen Zeit purer Hohn, denn Google macht es möglich und zwar mit einer einfachen Suche, von Youtube ganz zu schweigen. Es wäre noch nicht mal mehr provokant hier den gesamten Songtext zu posten, auf ein Youtube-Video zu verweisen und und und…

Bedarf es bei diesem Songtext wirklich einer Interpretation und wenn ja, welcher? Des Inhalts oder der Gesellschaft? Beider?

Ich tu Dir weh

(Till Lindemann – Rammstein – Album Liebe ist für alle da)


Bei dir hab ich die Wahl der Qual

Und sei es nur einmal verbal.“

Wünsch’ dir was ich sag’ nicht nein

So willst Du es, so soll es sein.“

Du bist das Schiff ich der Kapitän

Wohin soll denn die Reise gehn’

Blind genug, um weg zu sehen.“

Schlau genug, um zu verstehen.“

Ich seh’ im Spiegel dein Gesicht

Du liebst mich denn ich lieb’ dich nicht

Bist du es oder bist dus nicht?“

Die einen fragt man, andre nicht!“

Nur für mich bist du am Leben

Jeder ist sich selbst der Nächste. Ein Anspruch auf das Tun, das gewünscht wird. Eigentum ist Macht.

Du blutest für mein Seelenheil

Hier könnte man auch den Satz „Jedem das Seine“ einfügen. Wer herrschen will, herrscht und wer beherrscht werden will, der wird beherrscht.

*hier steht ein Stück Wahrheit*

Der Reiz ist für jeden ein anderer. In dem Fall für einige nicht nachvollziehbar. Als Stichwort möchte man „Ritzen“ nennen, wenn auch in diesem Zusammenhang wahrscheinlich unpassend. Das Ziel ist aber identisch: Fühlen.

Der Körper schon total *ein Stück Wahrheit*

Entbehrt jeder Interpretation.

Egal – erlaubt ist was gefällt

Gleiches gilt für diese Zeile und vielleicht ist sie diejenige, die diesen Text so erschreckend ehrlich macht.

Wünsch’ dir was ich sag’ nicht nein

Alles beruht auf freiwilliger Basis. Das macht es zu dem, was es ist. Freiwillig und gewollt.

Keiner rümpft die Nase, wenn ein anderer den Wunsch äußert schön, reich und stark zu sein. Mittlerweile ist der Wunsch nach ewiger Jugend und Unsterblichkeit alltäglich.

Und *auch hier soll ein Stück Wahrheit sein*

Das Handeln einzelner wird nicht zwingend von der Mehrheit anerkannt und ist von dieser nachvollziehbar, d.h. noch lange nicht, das es nicht existent ist.

Fazit (ein Erstes):

rammstein liebe ist fuer alle da

Dieser Songtext ist definitiv provokant. Nicht des Inhalts wegen, sondern aufgrund der Tabus, die er anspricht. Betrachtet man ihn objektiv, ist er es nicht mehr. Denn er beschreibt einen Teil des Alltäglichen, der uns allen meistens verborgen bleibt. Wir lesen darüber heimlich in Büchern, Zeitungen und Internet. Sind Voyeure in den Nischen und schämen uns das Hinschauen zuzugeben und doch tun wir es, auch wenn es bei der Mehrzahl beim Hinschauen und -hören bleibt. Man möchte es eigentlich nicht wissen, doch die Neugier siegt, verbündet sich mit dem Gaffertum, nur um hinterher behaupten zu können, dass man sich geekelt hat und andere Perverse und Kranke sind. Befriedigung hinterher ist das “Mit auf dem Finger auf andere zeigen”-Können. Wir gaffen täglich am Fernseher das Unglück  eines Unbekannten an, auf der Autobahn den Unfall und wenn nebenan der Notarzt hält. Selbst wenn der Priester im Dorf zuschlägt, wird man nach Jahren sagen, dass er ansonsten ein so netter und warmherziger Mensch war. Wir betrachten nicht, wir urteilen der Masse nach.

Eigene Meinung:

Manche sind sich der dunklen Seiten ihrer Seele bewußt, andere starren in die Tiefen derer, die hinabsteigen. Geschwiegen wird, wo der Mut zur Wahrheit fehlt und für manchen scheint es besser, dass die Wahrheit nicht zu offensichtlich ist. Solange Einigkeit herrscht, sollte nicht geurteilt werden. Kinder sind zu schützen, aber viel wichtiger ist es, sie frühzeitig zu lehren, sich selbst zu schützen. Verbote sind verführerischer als Gebote. War es jemals anders?

Der Text ist nicht das Problem, das Problem ist, falls es eins gibt, was wir daraus machen.


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Vom Aussterben bedrohte Bücher

Mai
16

Das Internet ist grausam. Ja, das ist es wirklich. Zuerst versorgt es einen mit wichtigen und manchmal auch überflüssigen Informationen, dann macht es einen abhängig und am Schluss wird es für das Aussterben einiger Bücher verantwortlich sein.

Eine kühne These, durchaus.

Vor ca. 15 Jahren gab es in fast jedem Haushalt diese drei Bücher:

  1. Das Telefonbuch.

  2. Den Duden oder mindestens ein Wörterbuch.

  3. Ein Lexikon oder eine Enzyklopädie.

Diese drei sind definitiv die ersten Kandidaten für den Internet-Kill. Das liegt vielleicht daran, dass man sie nicht täglich benötigt und wenn man eine Info braucht, findet man sie mittlerweile im WWW schneller und vor allem günstiger. Wir benutzen das Telefonbuch und die gelben Seiten (auch so ein Kandidat) online, Wikipedia und Übersetzungsdienste wie www.leo.org und hoffen darauf, dass diese korrekt und stets aktuell sind. Heute werden nur noch wenige Menschen hunderte von Euro für Brockhaus ausgeben.

Was wohl in weiteren zehn Jahren passieren wird? Aus Bibliotheken werden Museen, in denen wir längst vergessene Bücher bestaunen werden. „Was? Solche Sachen hat man früher in Büchern nachgeschlagen?“

Werden wir Informationen nur noch über das Internet beziehen? Journalismus und Zeitungsverlage finanzieren sich über Werbung, nicht über Inhalte. Wir werden daran gewöhnt sein, vor jedem Artikel einen Werbespot zu sehen. Warum auch nicht, schließlich bestehen die heutigen Printausgaben ebenfalls zu einem Großteil aus Werbung.

Was passiert mit Büchern wie der Bibel, der Tora oder dem Koran? Momentan noch nicht vorstellbar, dass diese Werke überwiegend in digitaler Form existieren könnten. Lustigerweise gibt es die Bibel bereits als Hörbuch.

Das Internet ist nicht nur für Bücher eine „Bedrohung“, auch Zeitungen und Zeitschriften fallen ihm zum Opfer. Manchen Verlagen geht es bereits seit einigen Jahren nicht mehr gut. Aus welchen Gründen auch immer. Bereits heute sind wir es gewohnt auf Spiegel Online nachzulesen oder Stern, FAZ etc., als am Kiosk eine Zeitung zu kaufen.

Werden wir in einigen Jahren, jeder mit seinem eigenen IPad (oder einem anderen ähnlichen Gerät) bewaffnet, nur noch digitale Zeitschriften und Bücher lesen? Werden sich Regale und Ablagen leeren, auf denen früher Kataloge und Zeitungen gestapelt wurden? Wird das Waldsterben zurück gehen, weil weniger Papier benötigt wird oder werden nur die Großdruckereien der Tageszeitungen Pleite gehen?

Das gedruckte Buch als Luxusartikel. Heute noch nicht vorstellbar.

Fragen über Fragen…


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Kampfkunst

Mai
14

–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–

Kampfkunst

Ein Dolch und ein Messer

mit silberner Klinge.

 

Ein Stern und ein Kolben

mit eisernem Schlag.

 

Ein Gift und ein Kraut

mit schleichender List.

 

Ein Monster, ein Drache

mit kraftvoller Schwinge.

 

Ein Pfeil und ein Bogen

nie schneller ist.

 

Ein Wort!


kampfkunst

 

–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–


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