Total verhext

Total verhext
Terry Pratchett

Zu dritt hext es sich einfach besser. So denken jedenfalls die Hexen Esmeralda („Oma“) Wetterwachs, Nanny Ogg und Magrat Knoblauch, die verhindern sollen, dass ein Stubenmädchen einen Prinzen heiratet. Aber diese Aufgabe erweist sich als äußerst verzwickt: Denn eigentlich heiratet am Ende doch immer das Stubenmädchen den Ex-Frosch…

Ausgerechnet Magrat erbt den Zauberstab von Desiderata Hohlig, die zwar eine Hexe, aber auch eine gute Fee war. In ihrem Testament bestimmt sie, dass Magrat nach Gennua reisen soll und zwar alleine. Für Oma Wetterwachs und Nanny Ogg kommt das selbstverständlich nicht in Frage, schließlich ist Magrat die jüngste und ihr fehlt jegliche Erfahrung. Besonders mit Zauberstäben, die einen Hang zu Kürbissen haben und mit Magie im Allgemeinen. Zwar fällt es Oma Wetterwachs schwer, die heimischen Spitzhornberge zu verlassen, weil sie von dem Fremdländischen nicht viel hält, aber sie hält auch nicht viel von Frauen in Hosen oder roten Stiefeln. Gemeinsam fliegen sie los und treffen auf Zwerge, Wölfe, fliegende Häuser, schlafende Prinzessinnen und eine leuchtende Stadt mitten im Sumpf.

Märchen sind schön, allerdings nur dann, wenn sie nicht real werden. Genau mit diesem Dilemma setzt sich „Total verhext“ auseinander. Pratchett dreht den Spieß auf sehr humoristische Weise um. Wie fühlt sich ein Wolf, dem das Menschsein aufgezwungen wird? Wieso sollte aus einem Frosch ein gut aussehender Prinz werden? Wieso benötigt man Magie, um anderen Menschen Wünsche zu erfüllen? Und woher zum Teufel weiß man, wo sich unsichtbare Runen befinden, wenn sie doch unsichtbar sind? Was würde passieren, wenn Märchen tatsächlich wahr würden und man sie gar nicht aus der Sicht des Erzählers sondern eines Beteiligten erleben würde? Was wenn die Großmutter eine alte zickige Schrulle ist, bei der man eigentlich froh sein könnte, wenn der Wolf sie frisst? Woher will man eigentlich wissen, dass das Stubenmädchen tatsächlich den Prinzen heiraten möchte? All diese Fragen beantwortet Pratchett in genialer Scheibenweltmanier. Mit Oma Wetterwachs als rational denkende erfahrene Hexen, Nanny Ogg als Lebefrau mit dem entsprechenden Kater Greebo und Magrat als junges Küken schickt er das perfekte Trio auf eine kuriose Reise. Schließlich muss es Gut und Böse geben und Konflikte zwischen Alt und Jung.

 

Eigene Meinung
Eigentlich liest sich dieser Scheibenweltroman wie ein Märchen, obwohl er keines ist. An einigen Stellen wird man ein bisschen unsicher, worauf Pratchett hinaus will, doch gegen Ende des Buches ergeben viele Szenen wieder einen Sinn. Dieser Roman ist ein Appell an den Verstand, dass Wünsche, Magie und Märchen mit Vorsicht zu genießen sind und dass jede Fassade auch einen dunklen Hinterhof haben kann. Schöne Botschaften mit vielen humorvollen Dialogen und hervorragend durchdachten Charakteren. Trotzdem bin ich der Ansicht, dass dieser Roman nicht jedem gefallen wird. Eine solche Art an Themen heranzugehen, wie Pratchett es in diesem Buch getan hat, muss man einfach mögen, sonst findet man viele Dinge überzogen oder einige Witze schlecht bzw. falsch platziert.

 

„…Die Leute irren sich in Hinsicht auf urbane Mythen, Logik und Vernunft behaupten, dass sie Erfundenes betreffen und von Personen überliefert werden, die an seltsame Zufälle, kosmische Gerechtigkeit und solche Dinge glauben. Nun, Logik und Vernunft irren sich: Solche Phänomene haben einen festen Platz in der Wirklichkeit, weil die betreffenden Geschichten ständig kreuz und quer durchs Universum sausen…“

„…“Wenn du eine Hexe sein willst, Magrat Knoblauch, solltest du drei Dinge lernen. Du musst wissen, was real ist, was zum Unwirklichen gehört und worin der Unterschied besteht…“…“

„…Magrat kaufte okkulten Schmuck, um sich davon abzulenken, Magrat zu sein. Daheim hatte sie drei große Schatullen mit dem Zeug gefüllt und war noch immer genau die gleiche Person…“

„…Sie kämpfen nicht, um zu töten, sondern um zu gewinnen. Das ist ein großer Unterschied. Es hat keinen Sinn, einen Gegner zu töten – weil der Betreffende dann gar nicht weiß, dass er eine Niederlage erlitten hat. Ein echter Sieger braucht einen Gegner, der sich seiner Niederlage bewusst ist…“

Und wer wissen will, wie die Strophen des Igelliedes tatsächlich lauten, der findet bei Fanfiktion eine Version frei nach Pratchett.

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