Von amazon abhängig

Aber es ist doch so bequem…

Wir lassen uns gerne begeistern und faszinieren. Sehen wir die Chance, unser Leben zu verbessern oder bequemer zu machen, dann ergreifen wir sie und denken nicht gleich über alle Konsequenzen nach. Unser Konsum, der Wunsch nach Besitz, Unterhaltung, Statussymbolen und Anerkennung schaffen die Nachfrage zu den heutigen Angeboten.

Immer wenn ein Unternehmen besonders stark wird, sind Kritiker nicht weit. Und dann kommt ein altbekannter Vorwurf, der nicht selten eine Tatsache ist: Abhängigkeit.

Nicht zu Unrecht. Heute sind wir abhängig von einer Suchmaschine, unserem Smartphone, Auto, sozialen Netzwerken und wahrscheinlich von vielen anderen Dingen.

Mit dem Self-Publishing-System KDP ist amazon ein großer Coup gelungen. Endlich können Autoren ohne einen Verlag, ihre Werke publizieren und zugleich einem großen Käuferpublikum präsentieren. Im Grunde genommen der Traum eines jeden Handwerkers, der seine Waren selbst an den Mann bringen muss.

Je mehr das Unternehmen seine Vormachtstellung in diesem Segment E-Books weiter ausbaut und festigt, umso öfter hört man lauter werdende Warnungen, zuweilen sogar Kritik. Zuerst sei es die Abhängigkeit, schon bald würde die Diktatur folgen. Die Argumentation ist so simpel, wie einleuchtend: Mit dem geschlossenen System des Kindles und dem eigenen E-Book-Format zwingt amazon seine Kunden ihre E-Books ausschließlich über die eigene Plattform zu kaufen. Zeitgleich bindet das Unternehmen die Autoren und kann die Preise und das Erscheinen bzw. Nichterscheinen der Bücher diktieren.
Man will nicht widersprechen. Bereits jetzt diktiert amazon indirekt die E-Book-Preise. Wer 70% Tantiemen haben möchte, muss seine Werke im Rahmen eines gewissen Preisspektrums anbieten. Wer drunter oder drüber liegt, erhält lediglich 35%. Das Argument, dass das Unternehmen jederzeit die Konditionen anpassen kann und zwar zu Ungunsten der Selfpublisher ist nachvollziehbar. Lösen wir uns einmal vom Geld und betrachten die Sache einmal aus kaufmännischer Sicht.

  1. Warum sollte ich mein Produkt nicht mehr über diejenige Plattform anbieten, die die meisten Käufer und Interessenten erreicht?
  2. Warum sollte ich meine Werke nicht über ein Unternehmen vertreiben, dessen System dem Kunden den einfachen und schnellen Kauf und die Funktionalität gewährleistet?
  3. Welchen guten Grund gibt es, letztendlich über Dienstleister (epubli, neobooks, xinxii) zu gehen?

Bisher konnte mir keiner diese drei Fragen plausibel beantworten. In Bezug auf die Veröffentlichung und damit die Auswahl der Bücher konnte mir keiner erklären, wo der Unterschied zu Verlagen ist. Sicherlich, die Indie Autoren sind von amazon abhängig, aber diese Abhängigkeit ist unwahrscheinlich bequem.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.