Silber – Das zweite Buch der Träume

Kerstin Gier

Und da hörte ich es, mitten in das plötzliche Schweigen hinein: ein vertrautes, unheilvolles Rascheln, nur ein paar Meter entfernt. Obwohl niemand zu sehen war und eine vernünftige Stimme in meinem Kopf sagte, dass das hier sowieso nur ein Traum sei, konnte ich nicht verhindern, dass Angst in mir hochkroch, genauso unheilvoll wie das Rascheln.
Ohne genau zu wissen, was ich tat und vor wem ich davonlief, fing ich wieder zu rennen an.

Silber – das erste Buch der Träume
Liv hat sich nach einiger Zeit von den Geschehnissen am vergangenen Herbstball erholt. Anabel wird in einer psychiatrischen Klinik behandelt und Arthur ist wieder an der Schule, aber die Freunde gehen ihm aus den Weg. Obwohl sie sich alle dafür ausgesprochen haben, dass sie nicht mehr durch ihre Traumtüren gehen, können es Henry und Liv nicht lassen. Schon bald müssen sie feststellen, dass auch Arthur sich auf den Gängen herumtreibt. Doch da ist noch jemand und diesmal ist es nicht das unheimliche Rascheln oder die plötzliche Kälte, sondern ein weiterer Mensch, der den Weg in die Traumwelt gefunden hat und seine Absichten sind nicht gerade die besten.
Schlafmangel ist lediglich eins der Probleme, mit denen sich Liv rumschlagen muss. Denn im Tittle-Tattle Blog tauchen plötzlich Sachen auf, die eigentlich keiner wissen kann, außer Liv, Mia und seltsamerweise auch Henry. Überhaupt muss Liv feststellen, dass sie im Gegensatz zu allen anderen, über ihren Freund so gut wie gar nichts weiß. Kein Wunder also, dass es zum Streit kommt und in diesem Band bleibt das nicht der einzige. Die Schwestern müssen nicht nur mit dem Bocker, dem Biest in Ocker klar kommen, sondern auch mit Graysons nerviger Freundin, Florance und nicht zuletzt Charles, der ihrem Kindermädchen das Herz zu brechen scheint. Richtig schlimm wird es erst, als Mia anfängt Schlaf zu wandeln und behauptet, sie müsse die unechte Liv töten. Obwohl Grayson sie mehrmals warnt, dass Anabel dahinterstecken kann, schlägt Liv die Einwände in den Wind…

Eins muss man Kerstin Gier lassen: sie schreibt so gut, dass nicht viel passieren muss, damit viel passiert. Zwar scheint der zweite Band mit kleinen Spannungskurven und viel Nebenhandlung vor sich hinzuplätschern, aber man merkt sehr schnell, dass er eigentlich die Vorbereitung auf den letzten Band darstellt. Auch wenn es gegen Ende zu einem kleinen Showdown kommt, so knüpft dieses Buch nicht unbedingt vollständig an die Geschehnisse des ersten an. Als Leser hätte man hier auch etwas ganz anderes erwarten können, nämlich die Suche nach dem Dämon oder Ähnliches. Doch das bleibt völlig aus. Nichtsdestotrotz eine angenehme Unterhaltungslektüre.

Eigene Meinung
Erfreulicherweise musste ich feststellen, dass mir Liv und Mia in diesem Buch wesentlich sympathischer sind, als im ersten Teil und obwohl Gier einen kurzen Rückblick auf den ersten Band macht (unvergesslich hierbei die Fußnote auf Seite 21, die da lautet „Die ganze Geschichte kann man nachlesen in >> Silber – Das erste Buch der Träume <<“ – nee, echt?), sollte man vor dem zweiten Buch auf jeden Fall das erste gelesen haben, sonst versteht man einige Dinge nicht wirklich. Gut, es ist selten, dass man bei einer Trilogie beim mittleren Band anfängt.

„…Nicht so schlimm, ein Stinktier hat sowieso keinen Schnabel…komm, wir tauschen mal die Plätze. Hier hinten ist Grobmotorik gefragt…“

Wie bereits bei der Edelstein-Trilogie schafft es die Autorin, die Geheimnisse so aufzubauen, dass man bis zum Schluss rätseln kann. Bisher sind alle meine Kandidaten für den Tittle-Tattle Blog ins Schwanken geraten. Hier beweist Gier, dass sie wohl auch Potential als gute Krimi- oder Thrillerautorin hat. Ich bin wirklich gespannt auf den letzten Band, der laut Verlagsprogramm im Juli 2015 erscheinen wird.

Rezension zum ersten Buch der Träume

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.