Der Fangschuß

Marguerite Yourcenar

1919 ist der Erste Weltkrieg zu Ende, doch im Baltikum dauert der Bürgerkrieg an. Während die Russische Revolution in vollem Gange ist, kommt der preußische Offizier Erich von Lhomond mit einem Trupp von Weißgardisten nach Kratovice. Dort begegnet er Konrad von Reval, einem Freund aus Jugendtagen, der mit seiner Schwester Sophie in einem verfallenen Schloss lebt. Zwischen den entwurzelten Protagonisten entwickelt sich eine ebenso heftige wie quälende Dreiecksbeziehung voller Erotik und unerfüllter Begierde…

 

Erich von Lhomond erinnert sich an die Zeit als er ein junger und hübscher Offizier war und eine Zeit des Krieges zusammen mit Konrad und seiner Schwester verbrachte. Mit anderen Soldaten und Offizieren leben sie in einem verfallenen Schloss, wobei Sophie, neben einer alten Tante, die einzige Frau war, die nicht nur den Haushalt führte, sondern auch das gesamte Anwesen. Sie ist jung und durchaus ansehnlich, was dazu führt, dass sich nicht nur ein Mann an sie heran oder zumindest Hoffnungen macht. Ihr Herz allerdings gehört Erich. Doch dieser ist mit ihrem Bruder Konrad befreundet, mit dem er auch in den Kriegswirren ein Zimmer teilt. Der Bruder gehört zu der Art Menschen, die in ihrer eigenen heilen Welt leben und in einigen Dingen niemals richtig erwachsen werden, so merkt er es auch nicht, wie Erich und die Schwester sich zwar näherkommen. Aber nur Erich gesteht Sophie ihre Liebe und Leidenschaft. Der junge Deutsche entgegnet diese Liebe nicht, er lehnt sie allerdings auch nicht ab. So beginnt für die Frau eine lange Zeit des Hoffens und Sehnens, die für beide kein gutes Ende findet.

In dieser aus der Ich-Perspektive geschriebenen Geschichte erzählt Yourcenar eine kleine Tragödie über die Dreiecksbeziehung junger Menschen, wie sie vielleicht nur der Krieg schreibt. Der deutsche Offizier begehrt den jugendlichen Bruder seiner Gastgeberin und teilt mit ihm Zimmer und Bett, was in diesen Zeiten keinen auf falsche Gedanken bringt. Die Schwester hingegen verliebt sich ebenfalls in den Freund des Bruders und gesteht ihm ihre Liebe. Dieser nutzt sie nahezu aus, lässt sie immer in der Hoffnung und erfüllt doch nicht, was sie am meisten begehrt.

In diesem Roman passiert nicht viel. Eine Anreihung von Erlebnissen und Wiederholungen von unerfüllten Wünschen und Hoffnungen, unterbrochen durch verschiedene Kriegsgeschehnisse. Alles in allem könnte man das Buch auch auf eine Kurzgeschichte runterstauchen, denn mehr Inhalt ist da nicht. Was diese Erzählung wirklich schön macht, ist das Sprachgefühl der Autorin und der sehr angenehme Stil, wie die Geschichte dem Leser präsentiert wird. Erfrischend auch, dass eine Frau die Gedanken eines Mannes beschreibt.

 

Eigene Meinung

Vielleicht habe ich schon zu viele Bücher gelesen, die im Krieg spielten, um das hier gut, romantisch, schrecklich oder schwermütig zu finden.
Kurzum, es ist handwerklich hervorragend geschrieben, aber langweilig. Wo da Erotik sein soll, habe ich mich einige Male gefragt. Es gibt durchaus Szenen, die Andeutungen machen, aber hier bin ich mir nicht sicher, ob die Definition des Wortes bei Klappentextschreiber und den  meisten Lesern übereinstimmt. Der Protagonist ist unsympathisch und arrogant. Wenn das von der Autorin so gewollt war, dann ist es hervorragend gelungen.

Einige Bücher sind nur für eine bestimmte Zeit gedacht, für die Leser einer bestimmten Generation, auch wenn sie immerwährende Werte vermitteln oder von den klassischen Themen Liebe, Hass, Krieg und Verrat handeln.

Warum dieser Kurzroman einer der besten des 20. Jahrhunderts sein soll, verstehe ich nicht. Mag sein, dass ich noch etwas zu unbelesen bin oder es einfach nicht meinen Geschmack getroffen hat.

 

Fazit: Etwas für Kenner und Liebhaber dieser Autorin und oder dieser Art von Erzählung.

 

„…Freundschaft ist vor allem Gewissheit, was sie von der Liebe unterscheidet…“

 

 „…Es war mir bestimmt, früher oder später meine beiden einzigen persönlichen Feinde in Positionen wiederzusehen, die unendlich gesicherter waren als meine eigene, was jeden Gedanken an Rache unmöglich machte…“

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