Traumnovelle

Arthur Schnitzler

Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Ehe eines Paares ist zur Routine erstarrt. Beide Partner entwickeln Phantasien von einem Ehebruch. Doch die beiden ziehen daraus jeweils völlig unterschiedliche Schlüsse.

 

Fridolin ist Arzt und mit seiner einigermaßen hübschen Frau Albertine verheiratet. Sie haben eine kleine Tochter und führen ein gutbürgerliches Leben. Eines Abends sitzen sie zusammen und gestehen sich gegenseitig die eine oder andere erotische Phantasie, die sie letzten Sommer im gemeinsamen Urlaub von Unbekannten hatten. Beide sind über die eigene Eifersucht erstaunt. Ohne das Thema zu Ende zu führen, muss Fridolin zu einem Patienten, der schon länger im Sterben liegt und von seiner jungen Tochter versorgt wird. Als diese ihm dann beinahe am Totenbett des Vaters ihre Liebe gesteht, beginnt für Fridolin in dieser Nacht ein langes erotisches Abenteuer, das sein Leben und die Sicht auf seine Ehe und Frau verändert.

Diese kurze Novelle beschreibt die erotischen Abenteuer eines Mannes, dessen Leben ansonsten in geregelten Bahnen verläuft. Seine Karriere als Arzt ist soweit vorgezeichnet, seine Ehe entspricht den gesellschaftlichen Regeln. Hin und her gerissen von den Verführungen in einer ganz besonderen Nacht, versucht Fridolin den Versuchungen zu widerstehen und verfällt doch einer Fremden, die sich in einer Geheimgesellschaft für ihn opfert, damit er fliehen kann. Trotz allem versucht er die Fremde zu finden und erst nach Androhung von Gewalt und Mord lässt er seine kurze Bemühung, herauszufinden, wer seine Angebetete ist und mit ihr ein neues Leben zu beginnen, fahren und kehrt zu seiner Frau zurück. Albertine berichtet ihm ausführlich von ihren erotischen Träumen und als wüsste sie, dass er sie betrügt oder zumindest in Versuchung kommt, dies zu tun, quält sie ihn mit ihren Erzählungen. Und obwohl sie ihn nicht wirklich betrogen hat, fühlt sich Fridolin letztendlich als das Opfer und der Betrogene.

 

Die Thematik der Novelle ist sicherlich immer noch aktuell und wird oft in der Belletristik und Literatur behandelt. Ausbrechen aus dem geordneten Leben, einen Neuanfang wagen, zerrissen sein zwischen dem was man hat und dem was man sich erträumt. Mut und Angst, sicherlich auch Ungewissheit und Begierde sind Themen dieser Erzählung. Auch wenn es viele erotische Szenen gibt, so sind sie stets nur angedeutet. Wer hier einen kurzen Sexroman vermutet, der wird nicht auf seine Kosten kommen. Schnitzler schreibt kurz und sehr angenehm, so dass sich die Novelle leicht an zwei Abenden durchlesen lässt. Für Liebhaber von Kurzgeschichten ein hervorragend geeignetes Buch.

 

Eigene Meinung

Zugegeben, ich habe „Eyes wide shut“ nicht gesehen, kann mir aber nicht vorstellen, wie man aus einer knapp 100-seitigen Novelle einen 2,5 Stunden Film machen kann. Nun gut, seit „Der Hobbit“ ist alles möglich.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich diese Erzählung in allen Einzelheiten richtig verstanden habe und um ehrlich zu sein, konnte sie mich nicht genug faszinieren, damit ich mich ausgiebig damit beschäftige. Weder der Schreibstil und die Erzählweise noch der Inhalt sind außergewöhnlich, wenn auch unterhaltsam.

Wenn man das Buch mit einem Satz beschreiben sollte, würde er lauten: „Der spießige Arzt entdeckt die Welt außerhalb seines Alltags und ist verstört.“

Kann man lesen. Muss man nicht.

 

„…Es war übrigens gleichgültig, wie spät es war; die Zeit lag in völliger Überflüssigkeit vor ihm…“

 

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