Der fünfte Elefant

Terry Pratchett

Sam Mumm von der Stadtwache reist als Botschafter Ankh-Morporks in das geheimnisvolle und fettreiche Land Überwald. Dort erfährt er, dass den Zwergen die uralte Steinsemmel, das Symbol der Königswürde, gestohlen wurde. Er stellt Ermittlungen an und gerät prompt in die verwickelten politischen Auseinandersetzungen zwischen Zwergen, Werwölfen und Vampiren. 


Wieder einmal erteilt Lord Vetinari der Stadtwache einen seltsamen Befehl, der zudem nicht einmal etwas mit einem Verbrechen zu tun hat. Denn Mumm muss diesmal in seiner Rolle als Herzog von Ankh-Morpork auftreten und gar nicht als Polizist. Politik und Diplomatie zählen nicht zu seinen Stärken. Doch wie sollte es auch anders sein, ein Verbrechen gibt es immer. Während Mumm mit seiner Frau nach Überwald reist, entwickeln sich auch für Karotte die Dinge nicht wie geplant. Seine Freundin, Angua, verschwindet spurlos und es mag ein seltsamer Zufall sein, dass ihre Familie in Überwald wohnt. Dazu noch ein Werwolf ist. Und was hat es mit der geklauten Steinsemmel auf sich?

In diesem Roman macht Pratchett Politik, Monarchie und Diplomatie zum Thema, wie immer überspitzt und gnadenlos ehrlich. Beschrieben wird der Konflikt zweier Staaten, die in unterschiedlichen Phasen der kulturellen Entwicklung stecken, der eine traditionell konservativ, der andere modern und weltoffen. Wie immer hat der eine Rohstoffe, der andere Bedarf. Konflikte lassen nicht auf sich warten.
Beschrieben werden zudem die Strömungen der Bevölkerung untereinander, alte Fehden und neue Entwicklungen führen zu Zwist und Streit und auch diesmal gilt es, einen Krieg zu vermeiden. Würde man nicht wissen, dass es sich um eine Fantasy-Erzählung handelt, könnte man nach dieser Beschreibung auch gut einen gewöhnlichen Roman der Belletristik dahinter vermuten, der irgendein politisches Weltgeschehen zum Hauptthema hat.

In diesem Roman verbindet der Autor Themen wie Feminismus, kulturelle Vielfalt, Generationenkonflikte, Modernisierung und technischen Fortschritt als treibende Kraft zu einer Geschichte, die dennoch nachvollziehbar bleibt. Dabei nehmen die Elemente stets Einfluss auf Handlung, Charaktere und Verlauf der einzelnen Erzählstränge, die zuerst getrennt verlaufen, zum Ende dennoch zueinander finden. Wer zudem Pratchetts Humor und Scharfsinn liebt, wird auch bei diesem Buch nicht enttäuscht.

Allerdings sei eins erwähnt: Dieses Buch gehört zu der Reihe der Stadtwache-Romanen aus der Scheibenwelt. Bevor man Der fünfte Elefant liest, sollte zumindest Wachen! Wachen! gelesen haben, sonst wird man viele Dinge nicht verstehen, z.B. warum es ein ausschlaggebendes Ereignis für Karotte ist, dass Angua verschwindet? Warum er so viel über die Steinsemmel weiß, was es mit Grinsi Kleinpo auf sich hat, und warum Mumm mehr als nur der Anführer der Stadtwachen ist, und welche Rolle seine Frau Sybil dabei spielt. Wer überhaupt Fred und Nobby sind.


Eigene Meinung

Wieder einmal ein gelungener Scheibenwelt-Roman, der mir sehr gefallen hat. Mit einigen wie beispielsweise „Der Zauberhut“ hatte ich meine Schwierigkeiten. Da war ich nie sicher, ob ich die Handlung immer richtig verstanden habe. Diesmal hingegen ist die Erzählung zwar komplex, mit vielen Seitenhieben auf unsere Gesellschaft und Denkanstößen, die an Aktualität nichts verloren haben, aber nachvollziehbar und somit sehr unterhaltsam. Außerdem liebe ich den Humor des Autors. Nicht umsonst zählt er zu meinen Vorbildern.

Was mich ein bisschen überrascht hat, war lediglich die kurze Abhandlung zum Titel der Erzählung. Der fünfte Elefant ist eher schmückendes Beiwerk, ein Konfliktgrund. Seine ganze Geschichte ist in diesem Roman nicht beschrieben, lediglich sein Ende. Das ist aber amüsant genug.

Fazit: Sehr unterhaltsam und für alle Fans von Pratchett und der Stadtwache guter Lesestoff.


„…Karottes Auskünfte deuteten darauf hin, dass Mumms Dienstmarke in Bums nicht mehr war, als Ballaststoffe auf irgendeiner Speisekarte…“

„…Mit den Worten ‚Ich brauche deine Hilfe!‘ fängt nie etwas Gutes an…“

„…Er bekam es täglich mit Leuten zu tun, die Konversation für ein komplexes Spiel hielten. Bei Colon musste er auf ein viel niedrigeres Niveau hinabklettern, um nicht dauernd über das Ziel hinauszuschießen.“

„…Sie trugen Äxte auf dem Rücken, doch unter Zwergen galt dies als ‚fein angezogen‘ und nicht ‚schwer bewaffnet.“

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