Seltsame Geschehnisse
Kelly Link
Ein Toter schreibt an seine geliebte Frau, deren Namen er vergessen hat. Zwei Kinder halten sich mit ihren spielerischen Reimen das Grauen eines Gespensterhauses vom Leib. Die Ermittlungen im Fall stepptanzender Bankräuber führen direkt in die Unterwelt. In diesen elf Erzählungen begegnen wir Diktatorengattinnen und Außerirdischen, besuchen einen apokalyptischen Schönheitswettbewerb und lernen zwei Frauen namens Louise kennen.
Mit diesen Geschichten entführt die Autorin Lesende in skurrile Welten. Die Figuren sind eigen, die Handlung scheint dahinzuplätschern und man fragt sich oft, worauf die Erzählung hinaus will. Nicht nur einmal bleibt man verwundert zurück.
Und doch geht es immer wieder um Beziehungen, um lieben und geliebt werden, um Sex und Trennung, um Betrug und Leidenschaft – das alles auf einer abgedrehten, zuweilen mystischen bis hin zur ekeligen Ebene. Es geht um Eltern mit fehlenden Gliedmaßen, um Kinder, die nur grüne Sachen tragen und essen und behaupten im vorherigen Leben ein Hund gewesen zu sein, um verliebte Frauen, die Männern nachjagen, bis sie blutige Füße bekommen und Männer, die von einer Expartnerin so besessen sind, dass sie jeden Bezug zur Realität verlieren.
Der Schreibstil ist nüchtern, gut, die Perspektive betrachtend, passend zu den Erzählungen.
Fazit: Wer gerne eine neue Leseerfahrung machen will, sich mit leichtem Grusel und teilweise Übersinnlichen gut unterhalten fühlt, zudem Kurzgeschichten mag, für den ist diese Sammlung eine klare Empfehlung.

Eigene Meinung
Schon lange hat mich kein Buch zu erstaunt und überrascht wie dieses. Jede einzelne Geschichte ist wie ein schwerer Unfall, an dem man eigentlich zügig vorbeifahren sollte, aber nicht aufhören kann, das Unglück anzustarren, denn es ist faszinierend anders, was man da sieht.
Ich bin mir noch nicht mal sicher, ob ich alle Geschichten verstanden habe, ob es überhaupt etwas zu verstehen gab. Dennoch musste ich nach einigen von ihnen das Buch erstmal weglegen, da ich nicht bereit war, die nächste Geschichte zu lesen. Ich musste erst einmal mental verdauen.
Fazit: Eine unglaublich spannende Lesereise in menschliche Abgründe und doch in Menschliches, erfrischend anders, anstrengend, aber wertvoll. Gerne gelesen, aber ich könnte das nicht am laufenden Band konsumieren. Hätte Angst, verrückt zu werden.
„…Du hast die Schnauze gestrichen voll davon, die ganze Zeit dem glücklichen Lebensende hinterher zu reisen, wann zum Teufel das auch immer sein mag – du wärst gerne einfach jetzt glücklich.“
„…Louise ist niemals gemein, nur manchmal nicht freundlich.“
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