Messer

Messer
Till Lindemann
Dein Fleisch ist ein zerrissenes Segel…

Es ist bereits das Vorwort von Gert Hof, das einen Künstler vorstellt, der vielleicht mehr ist als Sänger einer Band.
In diesem Buch findet sich die Sammlung von Gedichten aus den Jahren 1995 bis 2002, sowie die Fotografien von Gert Hof und Jens Rötzsch. Die Ansage im Vorwort ist klar: Die Bilder sollen die Gedichte nicht illustrieren. Sie sind eine Inszenierung. Zuweilen möchte man daran zweifeln. Keine Interpretationsversuche? Vielleicht! Widersprüche und Wiedersprüche. Verstehe es wer will, nicht wer kann. Ein Experiment.

Vorwort
„Poesie ohne Rückkehr“
Bereits hier will man Gert Hof widersprechen, denn zu was will man zurück kehren als Leser? Meist ist man angekommen. Jeder auf seine Art. Die Furcht besteht darin, sich in einem Satz wiederzufinden. Und als ob das nicht bereits schlimm genug wäre, es nachzuempfinden. Schreibt Lindemann doch nie von der heilen Welt. Diese Gedichte sind kein Riss durch die Realität, sie sind jener schöne grausige Teil des Lebens, den wir nur allzu gerne in der Bildzeitung lesen. Von Höllenhunden und dem Teufel höchstpersönlich, der neben uns hauste und Kinder fraß, während er sich zweimal die Woche mit der blonden Ziege von gegenüber paarte.

„…Eine lyrische Abrechnung, eine Vollstreckung. …“
„…Diese Gedichte sind ihr eigener Feind. …“
Wenn der Spiegel des Spiegelbildes Feind ist, dann ist das Opfer sein bester Freund.

 

Eigene Meinung
Diese Gedichte sind keine leichte Kost. Sie sind nicht distanziert. Das macht sie klar und grausam. Manche so offensichtlich, fast Situationskomik, sodass man lachen muss, obwohl einem zum Heulen sein sollte. Gewollt oder ungewollt. Jeder Literaturkritiker wendet sich wohl jetzt verachtend ab, als erster Marcel Reich-Ranicki in der Arroganz des Alters.
Nein, diese Gedichte sind wahrlich keine Lösung, aber sie haben eine Meinung und das ist in unserer Zeit mehr, als man zu hoffen wagt.
Kaum verwunderlich, dass sowohl Till Lindemann, wie auch die Band Rammstein erfolgreich ist. So trifft das Vorwort und die Bilder zu, wenn Gert Hof von einer Kunstfigur unter Kunstfiguren schreibt. Nicht ungern würde man sich mit Till Lindemann über einige Gedichte unterhalten. Wiederholungen. Wiederkehrende Metaphern, Bilder. Für alle Rammstein-Fans und Lyrik-Fans, die sich an einer zum Teil nicht einfachen Interpretation versuchen wollen auf jeden Fall ein Buchtipp. Man nimmt dieses Buch mehr als einmal zur Hand.

Umso mehr hat es mich belustigt, in diesem Buch auf Seite 56 das Gedicht „Sautod“ zu lesen.
Waidmanns Heil, Herr Lindemann,
und eine von den vielen Fragen,
die ich an Sie richten möchte.
Kann man Gefühle in Worte betten?
Auf einigen Seiten scheint es gelungen.

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