Pforten der Nacht


Brigitte Riebe

1338: Als Kinder schworen sie sich ewige Freundschaft: Esra, Neffe eines Rabbiners, und Johannes, Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns. Beide begehren gegen ihre Familien auf: Esra wehrt sie gegen die engen Fesseln des Gettos, Johannes will Mönch werden. Aber die Freundschaft droht zu scheitern – denn beide kämpfen um die Liebe derselben Frau: Anna, die Halbwaise aus dem Färberviertel. Doch die Pest bricht aus, und das Schicksal kettet die Rivalen auf tragische Weise aneinander…

In 15 Kapiteln erzählt Brigitte Riebe nicht eine sondern unzählige Geschichten. Nämlich die Ihrer drei Protagonisten, die wohl gleichzeitig Antagonisten sein sollen und die ihrer Familien. Die Inhalte des Buches sind hervorragend recherchiert. Sie schafft es immer wieder einen Spannungsbogen aufzubauen, sodass man trotz unzähliger Charaktere das Buch weiter liest. Sehr schön sind die historischen Ereignisse und Erfindungen dieser Zeit in die Erzählungen eingearbeitet. Die Erzählungen umfassen mehrere Jahre der Geschichte Kölns und ihrer Bürger. Die knapp 500 Seiten lassen sich schnell und einfach durchlesen, das ist angenehm. Trotz der vielen Personen kann man sehr gut den Überblick behalten. Der erzählte Alltag des Mittelalters ist sicherlich authentisch dargestellt. Keine Frage, das ist in diesem Buch sehr gelungen.

Eigene Meinung – Über dieses Buch kann man sicherlich streiten
Schon lange habe ich mich über ein Buch nicht so aufgeregt wie über dieses. Das kann Frau Riebe nun als Kompliment oder Beleidigung auffassen. Das erstere ist wohl zutreffend!
Entweder hat irgendjemand anderes die Rückseite dieses Buches verfasst oder die Autorin stand einfach neben sich oder aber ich habe es vollständig missverstanden. In diesem Buch geht es um Alles mögliche, aber garantiert nicht nur um drei Freunde. Denn die Freundschaft wird zeitweise zur Nebenhandlung, selbst die Pest wird in genau zwei Kapiteln abgehandelt und wie alles in diesem Buch etwas oberflächlich. Zwei Sachen fallen auf, die sich wie blutrote Fäden durch dieses Buch ziehen, es sind Sex und das Judentum. Durchaus interessante Mischung.
Trotz ausführlicher Beschreibung der einzelnen Personen bleiben alle irgendwie einfache Nebendarsteller einer Schilderung, die letztendlich nur die Zustände der Zeit beschreibt. Oft auf eine Sache reduziert: Wer, wann und wieso jemanden besteigt und mit welchen Folgen.
Alles läuft auf ein und die selbe Sache hinaus: Sex, Sex und Sex im Mittelalter und es bleibt dem Leser nichts erspart: die Liebesnacht, die Vergewaltigung durch wen auch immer, Inzest, der flotte Dreier, Sex zum eigenen Vorteil, Geliebte, Sex gegen Gefälligkeit, verschmähte Ehefrauen und Lebensgefährtinnen zweiter Wahl, Huren und Ehebruch, der schnelle Fick bei einem heidnischen Fest, dem selbstverständlich nur Christen beiwohnen.
Das ganze getränkt mit der Religion von Christen und Juden und irgendwo dazwischen das alltägliche Leben.
Gegen Religionen soll es auch nicht gehen. Die waren sicherlich ein sehr großer, wenn nicht sogar der Bestandteil des damaligen gesellschaftlichen Lebens. Das sei hier nicht zur Diskussion gestellt.
Erstaunlich hierbei, dass es nur auf Seiten der Christen „schlechte“ Menschen und Verfehlungen gibt. Ja, wirklich Tatsache in diesem Buch. Juden sind anscheinend von Grund auf gut. Es gibt keine Verfehlungen, abgesehen von Esra, der in Wirklichkeit dann doch kein wahrer Jude ist, sondern von einer christlichen Mutter stammt, das erklärt dann alles.
Dieses Buch ist verurteilend. Ein Lob an Brigitte Riebe, wie sie indirekt Seitenhiebe verteilt. Das gelingt der Autorin sehr gut. Gewollt oder ungewollt schreibt sie weiblich.
Viele Ideen sind hier in einer Erbsensuppe verrührt worden und ich weiß nicht, ob ich ein zweites Buch lesen will. Vielleicht doch, aus purer Neugier.
Falls ich zwei Fragen an Frau Riebe zu diesem Buch frei hätte, würde ich die Folgenden stellen:

  • Warum sind viele entscheidende Ereignisse nur so kurz und nahezu emotionslos abgehandelt?
  • Ging es im Mittelalter tatsächlich in zweiter Linie nur um Beischlaf?

Empfehlen oder nicht? Bei diesem Buch kann ich die Frage nicht beantworten. Dieses Buch ist auf jeden Fall eins: Eine Überraschung!
Für Liebhaber von historischen Romanen und Erzählungen auf jeden Fall lesenswert.

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