Nachtaktiv

Nachtaktiv
Sophie Senoner

Der Berliner Winter ist hart. Vor allem, wenn man Single ist – so wie Heloise und ihre Freundinnen. Gemeinsam ziehen sie durch die Clubs der Stadt und suchen zwischen One-Night-Stands und durchtanzten Nächten die große Liebe.

Heloise, Mia und Luise sind an Silvester nicht nur betrunken, sondern auch auf irgendwas drauf. So beginnt die Erzählung, die in Form von Tagebucheinträgen ein Jahr lang das Leben der Protagonistin schildert. Heloise hat sich vorgenommen, als Berlinerin den richtigen Mann fürs Leben zu finden. Prompt begegnet er ihr in der Silvesternacht: der Handschuh-Mann! Seinen wahren Namen kennt sie nicht und schließlich ist da noch Philipp, ihr Verflossener. Zwischen Partys, Uni, schwulem Vater mit neuem Freund, Job, einem ordentlichen Dauersuff und Facebook, versucht Heloise endlich von ihrem Ex-Freund loszukommen. Erst als sie ihm nach Indien folgt, wird ihr klar, dass nichts mehr so sein wird, wie früher.

Senoner erzählt das Leben einer jungen Frau, die nicht nur auf der Suche nach Mr. Right, sondern sich selbst ist. Ihre Protagonistin ist recht einfach gestrickt. Ein Mädchen mit vielen Vorurteilen, die für nichts und gegen alles ist. Eine echte Berlinerin, die denkt etwas sein zu müssen, was sie gar nicht sein möchte. Vielleicht auch nur, um in das Gesamtbild der Zeit zu passen. Erst als ihre beiden engsten Freundinnen Mia und Luise eigene Wege gehen, stellt sie fest, dass ihre Welt und damit die eigene Vorstellung nicht dem entspricht, was die anderen immer Realität nennen.
Eigentlich schreibt Senoner sehr nüchtern und kaum übertrieben. Die Charaktere nimmt man ihr als Leser ab, auch die Geschichte, die sich sehr schnell und angenehm entwickelt. Allerdings hat die Geschichte im letzten Drittel einige Längen und man weiß schon sehr früh worauf die Sache hinausläuft. Doch am Ende gibt es dann doch das erwartete Happyend.

Eigene Meinung
Eine nette Erzählung für junge Frauen. In dem einen oder anderen Charakter findet man sich selbst etwas wieder. Ein paar Klischees werden von Senoner bedient. Die drei Freundinnen erinnern ein bisschen an Sex and the City, mit ein bisschen weniger Sex, dafür mehr City. Man muss allerdings der Autorin zugestehen, dass die Sexszenen gelungen sind. Sie lesen sich natürlich. Keine seltsame Wortwahl oder übertriebene Darstellung. Das gefällt und überzeugt. Trotzdem hat man immer den Eindruck, dies ist ein Roman von einer Berlinerin für andere Berliner. Ein Hauch Lokalpatriotismus schwingt immer mit.

„…und ich denke: mein Gott, diese Kokser können aber viel auf einmal machen. Und dann fällt mir auch ein: Genau so ist dieses Boris-Becker-Besenkammer-Baby mit den orangen Haaren und dem Albino-Lächeln entstanden!…“

„…wie ein Zeichen Gottes: Was ihr macht, ist Sünde. Exfreunde sollen nicht miteinander schlafen. Zack bumm, Hitlerherpes!…“

„Die Basis jeder guten Diät ist eine Durchfallerkrankung.“

vorabelesen.de
Ein herzliches Dankeschön geht an vorablesen.de für das Rezensionsexemplar. Dieses Buch war auf jeden Fall eine Abwechslung und für jeden Berlin-Liebhaber ein Leseschmaus.
ullstein – ISBN-13: 978-3548284729

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