Ruhig Blut!

Terry Pratchett

König Verence ist der aufgeklärte Herrscher des kleinen Landes Lancre auf der Scheibenwelt. Als er mit alten Vorurteilen aufräumen will und hochgestellte Vampire aus Überwald zu einer Taufe einlädt, erweisen sich diese als ebenso modern: Durch alten Schnickschnack wie Knoblauch lassen sie sich nicht schrecken. Und so sind Nanny Ogg, Oma Wetterwachs und der junge Priester Hilbert Himmelwärts schon bald in den schönsten Krieg zwischen Hexen und Vampiren verwickelt…

 

Magrat ist Mutter geworden und als Königin von Lancre haben sie und ihr Mann, König Verence, zur Taufe ihrer Tochter eingeladen. Natürlich auch Oma Wetterwachs, Nanny Ogg und Agnes. Doch statt Oma erscheinen Vampire und ein Priester des Om, der zum einen die Taufe der Prinzessin vergeigt und dann auch noch Nanny Ogg verärgert. Das alles wäre allerdings nur halb so schlimm, wenn Oma Wetterwachs wenigstens zur Taufe erschienen wäre. Doch als die anderen Hexen sich auf die Suche nach ihr machen, finden sie die Hütte leer und aufgeräumt vor.
Während sich die drei Hexen samt Baby auf den Weg zu Omas Versteck machen, übernehmen die Vampire das Schloss. Jetzt, da moderne Zeiten angebrochen sind, haben sie weder Angst vor Knoblauch noch können heilige Symbole ihnen etwas anhaben. Gleichzeitig macht sich der Falkner von Lancre auf die Jagd nach einem sehr seltenen Vogel, der den Glauben des jungen Priesters erschüttern soll. Aber auch andere Wesen tauchen in dem kleinen Königreich auf, wie die kleinen blauen Kobolde. Als Oma Wetterwachs sich den Vampiren stellt, beginnt ein Kampf um Leben und Tod, aber auch um das Königreich, den Glauben an Götter, Traditionen und sich selbst. Dies gilt vor allem für Agnes, an der nicht nur der Sohn des Grafen Gefallen gefunden hat, sondern auch der Priester.

In diesem Scheibenwelt-Roman widmet sich Pratchett dem Glauben und Aberglauben an Vampire und der Jagd nach ihnen. Dass er sie dabei als modern darstellte macht die Sache umso komischer. Denn wie soll man sich vor einem Vampir fürchten, der sich selbst als Vampyr bezeichnet und keine Angst vor Knoblauch hat und will man das als normaler Sterblicher überhaupt?
Zum anderen nimmt er die Religion an sich aufs Korn. Der Priester Hilbert Himmelwärts gerät während der Erzählung immer weiter in einen Glaubenskonflikt und ihm kommen Zweifel, was tatsächlich die Wahrheit ist und ob sie in den heiligen Büchern des Om steht, dessen ist er sich auch nicht mehr sicher.

 

Eine schöne Satire ist dem Autor auf die beiden Themen in diesem Roman gelungen. Zwar lässt die Geschichte hier und da den bekannten Wortwitz vermissen, dafür ist die Handlung aber interessant und kurzweilig. Statt Witz setzt Pratchett in diesem Roman auf ein klein bisschen Philosophie und Lebenserfahrung, besonders im Hinblick auf Glauben und Religion. Das große Können des Autors zeigt sich allerdings darin, dass er nicht mit der moralischen Keule auf die Thematik einprügelt, sondern mit leisen Tönen seine Charaktere agieren lässt. Dass dieser Roman sogar ein kleines Happy End hat, versteht sich nicht von selbst.
Dennoch sollte erwähnt werden, dass man vor diesem Roman unbedingt „Total verhext“ gelesen haben sollte, zu empfehlen wäre auch „Mummenschanz“, sonst versteht man die Hälfte der Geschichte einfach nicht, besonders wenn es um die Figuren der Magrat und Agnes geht. Diese Hexen haben, wie Oma Wetterwachs und Nanny Ogg (Das Erbe des Zauberers), eine Vorgeschichte.

 

Eigene Meinung

Im Gegensatz zu „Heiße Hüpfer“ hat mir dieser Roman wieder ausgesprochen gut gefallen und ich habe ihn zügig durchgelesen. Viele Einfälle zu den modernen Vampiren und die Mythen, die mit ihnen einhergehen, ließen mich im Laufe der Geschichte schmunzeln.

Sehr gut fand ich die Herangehensweise von Pratchett an die Religion. Philosophische Fragen, die uns alle einmal beschäftigen, hat er spielerisch in die Handlung eingebaut und lässt viele einfach offen, auch wenn er sich des kleinen Priesters bedient. Erfrischend zudem, dass hier die Gesellschaftskritik als solche einmal nicht im Vordergrund steht. Zwar weist Pratchett auf die kuriosen Auswüchse der Modernisierung und des Verfalls von Werten und Traditionen hin, aber da dies im Zusammenhang mit den Vampiren geschieht, ist es sehr amüsant verpackt. Dass es uns dennoch einen Spiegel vorhält, ist sicherlich gewollt.

 

Fazit: Das hier ist einer der besseren Scheibenwelt-Romane. Sehr gern gelesen und für alle Fans der Hexen ein Muss!

 

„…Es gibt Dutzende von Möglichkeiten, Vampire zu erledigen, ganz abgesehen von einem Pflock durchs Herz, was auch bei normalen Leuten funktioniert…“

„…Sie glaubten, durch Bücher das Leben sehen zu können, aber das ging natürlich nicht, weil einem die Worte den Blick versperrten…“ 

„…Wenn man einen Phönix jagte, war die Finsternis am besten dafür geeignet – im Dunkeln ließ sich Licht besser erkennen…“ 

„…Es gibt keine Grautöne, nur schmutziges Weiß…“

Total verhext

 

Mummenschanz

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