Archiv Dezember, 2010

Eine Couch für alle Felle

Dez
27

Eine Couch für alle Felle
Vorneweg:

Ob dieses Buch nun tatsächlich ein Sachbuch ist, läßt man dahin gestellt. Es mag wohl daran liegen, dass es genug Ratgeberbücher zur Hundeerziehung gibt und nicht nur zu diesem Thema.

Seit nun knapp sechs Wochen ist unser kleiner Quentin, seines Namens Labrador-Retriever, bei uns. Im Bücherregal finden sich gleich mehrere Hundebücher. Vorstellen möchte ich in erster Linie solche, die auch für Menschen interessant sind, die noch nie einen Hund besessen haben und mit dem Gedanken spielen sich einen anzuschaffen.

Martin Rütter – Bettina Böttinger (Hrsg.)

Seit Jahrhunderten ist der Hund des Menschen liebstes Haustier – und trotzdem wissen wir erstaunlich wenig darüber, wie wir mit ihm umgehen sollten, damit er sich im „Familienrudel“ wohlfühlt. Erziehungssünden, Vermenschlichung oder falsch verstandene Nachsicht führen fast zwangsläufig zu Problemen zwischen Hund und Halter. Tierpsychologe Martin Rütter hilft, die Verständigung zwischen Mensch und Tier wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Denn das Zauberwort heißt Kommunikation!

Dieses Buch erzählt acht Geschichten aus der WDR-Serie Eine Couch für alle Felle und schaut dem Tierpsychologen bei der Therapie über die Schulter. Dabei gibt Martin Rütter Hundehaltern und solchen, die es werden wollen, zahlreiche nützliche Tipps für ein harmonisches Zusammenleben mit den Vierbeinern – damit verwüstete Wohnzimmer und aufmüpfige Rebellen bald der Vergangenheit angehören!

Erzählt werden Geschichten von Hunden, die wirklich ein gutes Zuhause haben. Mal ist es ein Ausreißer, eine Diva oder die unermüdliche Jägerin. Schnell werden in den Geschichten die einzelnen Probleme zwischen Hund und Besitzer beschrieben und sind alle mit schönen Bildern der Vierbeiner und Halter bespickt. Auch die Schilderung über eine misshandelte Hündin, die jetzt zu neuen Besitzern gekommen ist, findet sich in diesem Buch. Nach jeder Geschichte gibt Martin Rütter Tipps und vor allem auch gute Erklärungen für das Verhalten der Hunde und wie man sie als Mensch lernen kann zu verstehen.

Die acht kurzen Geschichten zeigen sehr anschaulich, was alles zwischen Mensch und Hund schief gehen kann, obwohl beide bemüht sind, gut miteinander aus zu kommen.

Lesenswert macht das Buch vor allem die schöne Schreibweise und nicht zu vergessen die allgemeinen Tipps von Rütter am Ende des Buches.

Eigene Meinung

Dieses Buch ist wirklich für alle geeignet, die mit dem Gedanken spielen, sich einen Vierbeiner anzuschaffen. Es gibt massenweise Literatur zu Hundeerziehung, besondere Bücher für den Umgang mit Welpen und Ratgeber, was man alles beachten sollte, wenn man sich ein Hund anschaut. Bestimmt sind unter all diesen Wälzern hervorragende Bücher, aber wer mal wirklich über den Alltag mit Hunden lesen möchte, der sollte sich diese kleine Buch zu Gemüte führen. Mit knapp 120 Seiten ist es wirklich eine nette Lektüre für zwischendurch und gibt doch Einblicke in das Zusammenleben von Mensch und Hund.

Überrascht hat mich wirklich die Geschichte über einen kleinen Jack-Russell-Terrier-Welpen. Der Familie wurde geraten, den Hund wieder zurück zu geben. Man hat es schweren Herzens getan. Lieber eine Weile länger überlegen und erst dann entscheiden.


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Bescherung

Dez
24

Bescherung

An der Kasse schnell verpackt,

so bunt und schön ist das Papier.

Liegt unterm Baum am Weihnachtstag.

“Ja, ein Geschenk, das mach’ ich ihr.”


“Ach nein, wie schön! Ach nein, wie fein!”

Was mag nur im Papierchen sein?

Und mit Verzücken kaum gegeizt,

das Lächeln wird voll ausgereizt.

Denn im Gedanken nur die Pflicht,

und im Papier das Herz doch nicht.

Das “Dankeschön” sehr intoniert,

zum Weihnachtsfeste einstudiert.


Ein Kärtlein liegt am Weihnachtsbaum,

vier Worte klein, man sieht es kaum.

“Ich hab’ Dich lieb.” mit feiner Schift,

rührt doch zu Tränen, weil’s Herzen trifft.



Fröhliche Weihnachten und einen schönen Tag mit viel Freude und guten Nachrichten. Lasst Euch alle reich beschenken.



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Gedanken in der Vorweihnachtszeit

Dez
19

Diese Woche habe ich im fiftyfiftyblog einen interessanten Beitrag von Jens Schönlau gelesen. Er heißt „Eure persönliche Weihnachtsbotschaft ist gefragt!“

Man muss ihm in einem Punkt Recht geben. Mit den Floskel ist das so eine Sache. Sie kommen einem schnell über die Lippen, ohne lange nachzudenken und doch gehören sie dazu, denn was sollte man sonst sagen? Tatsächlich neigt sich das Jahr dem Ende zu, wenn die Adventszeit kommt.

Ein Satz hat mich dann doch stutzig gemacht:

“Vielleicht ist es ein bereichender Gedanke, der euch ein reicheres, inhaltlicheres Weihnachtsfest beschert.”

Schneller, besser, schöner, jünger, erfolgreicher, bedenklicher, und weihnachtlicher als es bereits ist.

Ist es nicht erstaunlich, dass wir immer nach mehr suchen, selbst mehr Botschaft im Weihnachtsfest? Mit Sicherheit handelt es sich bei den meisten Sprüchen und Wünschen zur Weihnacht um Phrasen. Was stört daran? Weihnachten ist ein Fest der Traditionen. Was ist so schlecht an diesen Aussprüchen?

Warum wünscht man seinen Mitmenschen einen „Guten Tag“, obwohl es vielleicht kein guter ist? Warum fragt man obligatorisch „Wie geht’s?“, obwohl es gar nicht interessiert?

Welchen Inhalt braucht man, um diesen Tag zu dem zu machen, was er sein soll? Den Stress um diesen Tag, den lassen wir uns diktieren und oft ist er selbst gemacht, weil man krampfhaft versucht, in irgendeiner Form Klischees und Vorstellungen zu erfüllen. Geht es denn wirklich darum?

Feiern, genießen, Freude schenken und die Welt für einige Stunden völlig in Ordnung sein lassen. Das ist die Botschaft.


Es gibt doch nichts schöneres, als ohne Zeitdruck mit Freunden und Familie einen Abend zu verbringen, Kerzenschein, der Duft von gutem Essen, schwelgen in Erinnerungen und gemeinsam lachen, schief gesungene Weihnachtslieder und freuen über seltsame Geschenke. Klingt nach Phrase, ganz klar, was aber ist daran nicht mehr ausreichend und wünschenswert?


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Der Schrecksenmeister

Dez
11

Walter Moers

In Sledwaya, der Stadt, in der „das Gesunde krank und das Kranke gesund“ ist, spielt der neue Roman „Der Schrecksenmeister“ des zaminischen Großschrifstellers Hildegunst von Mythenmetz. Er handelt von der Auseinandersetzung zwischen Echo, dem hochbegabten Krätzchen, und Succubius Eißpin, dem furchtbaren Schrecksenmeister Sledwayas, der Faust und Mephisto in einer Person zu verkörpern scheint. Dieser lässt nichts unversucht, um sich vermittels der Alchimie zum Herrn über Leben und Tod aufzuschwingen – und dazu braucht er nichts notwendige als das Fett von Echo, der gezwungen ist, einen teuflischen Vertrag mit Eißpin abzuschließen.

Der Schrecksenmeister
Nachdem Echos Frauchen stirbt, verliert dieser sein Zuhause und irrt hilflos und ausgehungert durch Sledwaya, in der der Schrecksenmeister ein hartes Regim führt. Aus purer Verzweiflung lässt sich das Krätzchen, ja, richtig das Krätzchen, nicht Kätzchen, auf einen Vertrag mit dem Schrecksenmeister ein. Zwar rettet dieser Vertrag Echo vorerst das Leben, denn der Schrecksenmeister garantiert der Kratze freie und hervorragende Kost und Logis, allerdings nur bis zum nächsten vollen Schrecksenmond, also vier Wochen. Danach darf er das Krätzchen auskochen, wie er es mit vielen anderen seltenen Tieren Zamoniens zuvor gemacht hat.

Wer hätte gedacht, dass der furchterregende Schrecksenmeister nicht nur ein Alchimist, sondern ausgezeichneter Koch ist, der dem Krätzchen Köstlichkeiten kredenzt, von denen dieses nicht einmal geahnt hatte, dass es sie gibt. Sei es nun das Ei des Tarnkappenstörs oder eine Erkenntnuss.

Erst nach einiger Zeit merkt Echo, auf was er sich aus purer Verzweiflung eingelassen hat. Ob ihm die anderen Bewohner des eißpinischen Schlosses werden helfen können? Denn niemand versteht die Ledermäuse und in zamonischen Geschichten gibt es keine guten Enden.

Ein Märchen für Erwachsene, aber was für eins! Mit unglaublich viel Phantasie und Wortwitz erzählt Walter Moers die Geschichte von Echo und dem Schrecksenmeister, auch wenn er behaupten mag, diese lediglich aus dem Zamonischen übersetzt zu haben. In kurzen, aber sehr spannenden Kapiteln erlebt der Leser gemeinsam mit dem Krätzchen viele Abenteuer im alten Schloß und lernt einige Geheimnisse der Alchimie kennen. Unglaublich schön sind auch die Illustrationen, die nicht selten zum Lachen einladen. Moers erzählt kurz und sehr spannend, sodass man auf jeden Fall erfahren möchte, was es mit gekochten Gespenstern und der Zubereitung verschiedenster Gerichte auf sich hat. Und überhaupt, wieso versteht eigentlich keiner die Ledermäuse?

Es steht auf jeden Fall fest, dass „Die Stadt der träumenden Bücher“ auf meiner Wunschliste landet. Für alle, die Fantasy lieben und ein bisschen zum Nachdenken gebracht werden möchten, ist dieses Buch ein ausgezeichnetes Geschenk und passt prima in die Weihnachtszeit.


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Meinungsfreiheit, Meinungsäußerung und Publikation

Dez
08

Nachdem der WikiLeaks-Gründer in Gewahrsam genommen wurde, kann man sich die Frage stellen, ob im 21. Jahrhundert eine neue Hexenjagd eröffnet wurde.

Mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung ist das so eine Sache. Dies musste ich als Rammstein-Fan am eigenen Leib erfahren. So habe ich mir bei der Rammstein-Interpretation zu „Ich tu dir weh“ sehr reiflich überlegt, welche Teile des Songtextes ich in meinen Blog stelle und warum ausgerechnet diese.

Das Web, die Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung – Willkommen in Absurdistan!

Man braucht nicht darüber diskutieren, dass jede Publikation Verantwortung für das veröffentlichte Material mit sich bringt. Doch die Wellen der Empörung, Schikane und mittlerweile der Verfolgung schlagen dieses Jahr besonders hoch. Was soll man als unbedarfter Leser und Beobachter denken? Wie soll man überhaupt noch eine Meinung ergreifen oder sich selbst eine bilden? Wirbt nicht bereits eine Tageszeitung mit dem Slogan „Bild dir deine Meinung“. Auf welcher Basis? Der abgedruckten Überzeugung und Darstellung von Redakteuren?!

Irgendwo in den Tiefen des Weißen Hauses klafft eine Sicherheitslücke, die der Welt den Einblick in pikante Dokumente erlaubte. Zudem findet sich auch noch ein Portal, das diese Informationen publiziert. Nur kurze Zeit später wird der Betreiber des Portals zum Gejagten. Eine Maschinerie wird in Bewegung gesetzt, die anscheinend nicht nur Macht auf Domainanbieter hat, nein, auch auf Banken und andere Institutionen.

Und man kann sich berechtigt die Frage stellen, warum die Veröffentlichung dieser Dokumente so eine Lawine an Druck, wahrscheinlich auch Erpressung und Machtgehabe losgetreten hat.

Wenn man ehrlich ist, stehen in den Dokumenten keine Geheimnisse der Menschheit, sondern die Meinungsäußerungen unterschiedlicher Diplomaten und Informanten, Menschen. Diese Publikationen werden die Welt verändern, aber vielleicht anders, als Julian Assange es sich gewünscht und erträumt hat.

Zensur ist keine Kontrolle, sondern das „Mund verbieten“ auf anderer Ebene. Iniziert von ausgewählten Personen und per Gesetz legalisiert.

Die Illusion für den einfachen Bürger aufrecht zu erhalten, er kenne die Wahrheit, wird für die Regierungen schwieriger. Was man nicht kontrollieren kann, wird verboten. Doch welche Wahrheit will man kennen? Und wie kontrolliert man ein Medium, das jedem die Publikation erlaubt?




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