Archiv September, 2011

Die Henkerstochter und der schwarze Mönch

Sep
24

Die Henkerstochter und der schwarze Mönch
Oliver Pötzsch

Schongau 1660: Der Pfarrer der Lorenzkirche wurde vergiftet. Mit letzter Kraft konnte er noch ein Zeichen geben, das zu einem uralten Templergrab in der Krypta führt. Dort entdecken der Henker Jakob Kuisl, seine Tochter Magdalena und der Medicus Simon rätselhafte Hinweise auf einen Templerschatz. Der Mörder des Pfarrers ist dem Geheimnis längst auf der Spur, aber auch eine brutale Räuberbande hat davon erfahren. Ein gnadenloser Wettlauf beginnt.

Diesmal geht es gar nicht um Schongau, sondern um die Städte und Klöster in der Gegend. Schlimm genug, dass der Pfarrer der Lorenzkirche vergiftet wird, es scheint bis auf den Medicus und die zwei Kuisls keinen so wirklich zu interessieren. Erst als die Schwester des Verstorbenen anreist, beginnt das Abenteuer und die Jagd nach dem Templerschatz. Zudem wird die Liebe von der Henkerstochter und dem jungen Medicus Simon auf die Probe gestellt, denn Benedikta, die Tochter des verstorbenen Pfarres, ist eine junge und selbstbewußte Witwe. Zu allem Überfluß treiben in den Wäldern Schongaus Räuberbanden ihr Unwesen und der Stadtschreiber schickt den Henker los, nachdem einige Händler brutal überfallen und ermordet wurden. Warum immer wieder schwarz gekleidete Mönche auftauchen, können sich die Schongauer nicht erklären…

Wie bereits das erste Buch Die Henkerstochter, liest sich auch dieses sehr einfach und man kann es getrost eine Weile weglegen, um zu einem späteren Zeitpunkt weiter zu lesen. Pötzsch bleibt seinem Schreibstil treu, denn die Schilderungen sind zwar wirklich gut geschrieben, aber doch recht oberflächlich, was allerdings dem Verlauf der Geschichte nicht schadet.

In diesem Buch geht es hauptsächlich um den jungen Medicus Simon Fronwieser. Er ist die treibende Kraft in dieser Geschichte, sodass Magdalena, die Henkerstochter und der Henker selbst etwas im Hintergrund bleiben. Der Medicus ist von Benedikta fasziniert und will den Templerschatz, der angeblich in der Gegend um Schongau versteckt sein könnte, finden. Benedikta kann französisch, ist gut gekleidet und sieht gut aus. Zudem gehört sie als Händlerin dem Bürgertum an. Eigentlich alles, was Simon sich an einer Frau wünscht. Selbstverständlich bleibt Magdalena nicht verborgen, was da passiert. Voller Wut und mit guten Vorwand reist sie nach Augsburg, während ihr Geliebter mit der Händlerin nach dem Templerschatz sucht.

Der Henker wird nicht nur im Handlungsstrang etwas in den Hintergrund gerückt. Es scheint vom Autor so gewollt. Das ist allerdings nicht weiter schlimm, schließlich wurde Kuisls Geschichte im ersten Teil ausführlich erzählt.

Wenig einfallsreich ist das Ende. War auch im ersten Teil nicht so überzeugend. Hier hat man wieder das Gefühl, dass Pötzsch nach dem Ausgang der Handlung unbedingt noch was erzählen wollte. Das Ende ist wirklich Geschmackssache.

Gut und angenehm geschrieben. Für Mittelalter-Fans auf jeden Fall eine nette Lektüre, wenn auch nicht überragend, aber unterhaltsam.


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Wechsel

Sep
22

Wechsel

Pflücke vom Strauch nur die Beeren,

wollen doch Früchte sehen.

Junge Haut die Stacheln verheeren,

sollen im Herbst vergehen.


 

Nehme der Sonne die Wärme,

draussen – da ist das Licht.

Es kommen im Herbst die Stürme,

fürchte den Regen nicht.

 

Schau nur – so lang sind Tage,

die Nacht ist wie verkehrt.

Lege sie in die Waage,

der Winter uns Ruhe lehrt.




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Freie Meinung in Blogs – die kleinen Sticheleien

Sep
21

Waren es früher die Poesie- oder Sammelalben, die man mit Freunden und Klassenkameraden neidisch verglichen hat, später die Urlaubsfotos mit den Arbeitskollegen, so sind es wohl heute Blogs, Channels, Followers, FB-Freunde (wenn man diese Kontakte denn alle Freunde nennen möchte) und Pinnwände.

Kaum findet ein Interessengrüppchen zusammen, geht auch schon das liebenswerte Hauen und Stechen los. Ein besonders anschauliches Beispiel findet man bei Lesen beflügelt.org zum Thema Rezensionsexemplare als PDF. Ja, ganz richtig 72 Kommentare, fast so gut wie Spiegel online. Das kann sich wirklich sehen lassen und ist der heimliche Traum eines jeden Blogger.

Hier geht es gar nicht um den Inhalt des Artikels. Da hat jemand einfach seine Sichtweise und Meinung in den Blog gestellt und das sogar gut formuliert, also ein absolut guter Post. Der Inhalt stieß einigen anderen etwas bitter auf und schon zogen sie kommentarvoll ins Gefecht.

An dem sauber kultivierten Neid hat sich gar nichts geändert. Lediglich die Themen unterscheiden sich. Empörte man sich früher über Klamotten, verbale Ausdrücke, Lebensstil, Anschaffungen oder die Freunde anderer Menschen, so sind es heute eher die Blogartikel und die darin veröffentlichte Meinung.

Sich über Leute und „Freunde“ empören, ist allerdings nicht mehr so einfach. Schließlich sind es womöglich die eigenen Freunde bei Facebook oder Follower bei twitter. Nachher passt die publizierte Meinung nicht mehr und man verliert gar einen großen Teil seiner Anhängerschaft. Wie viel ist einem da noch die eigene freie Meinung wert?

Ein schöner Artikel findet sich ebenfalls bei Fantastische Bücherwelt. Wer dazu gehören möchte, muss wohl die richtigen Bücher lesen, die entsprechenden Autoren mögen und von den angesagtesten Verlagen Rezensionsexemplare bekommen. Erst dann gehört man dazu. Aber wozu eigentlich? Zur meinungsuniformierten Bloggerszene?

Dumm nur, dass die Geschmäcker so unterschiedlich sind. Die Verlage wissen das, die Blogger scheinen es in letzter Zeit oft zu vergessen.


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Erotik in Romanen und Erzählungen

Sep
16

Wer viel liest und das Genre ist wirklich nahezu egal, wird es garantiert schon einmal erlebt haben. Im Buch gibt es entweder eine ordentliche Liebesgeschichte oder sie plätschert zumindest als Nebenhandlung vor sich hin. Man kommt zu der Stelle, an der es so richtig zur Sache gehen soll und dann liest man und liest und liest und denkt: „Ja, igitt.“, „Netter Versuch.“, „Okay, hätte man auch weglassen können.“ im schlimmsten Fall legt man das Buch zur Seite und fragt sich, ob der Autor jemals selbst, also so richtig live und aktiv bei einem Geschlechtsverkehr dabei war. Wenn man Glück hat, ist die Szene so beschreiben, dass man wenigsten noch was zu lachen hat.

Nachdem ich meine eigene Rezension zu Pforten der Nacht nochmals gelesen habe, nachdem Frau Riebe meine Fragen beantwortet hatte, musste ich doch über meine Kritik und das Thema Sex in Romanen nachdenken. Erotische Romane außen vor. Wäre ja seltsam, wenn in diesen keine entsprechenden Stellen beschrieben wären.

Ich versuchte mich also an einige Bücher mit sehr guten erotischen Szenen bzw. sehr gut beschriebenen Szenen zu erinnern. Spontan sind mir nicht besonders viele eingefallen. Seltsamerweise musste ich an Butterfly von Kathryn Harvey und Das Unwetter von Régine Deforges denken. Das eine, weil es wirklich unglaublich schön viele weibliche Fantasien rund um Erotik und Sex beschreibt, das andere, weil es absolut exterm ist, aber hervorragend geschrieben. Was für eine Mischung!

Erotik schreiben ist wirklich nicht einfach und ich bewundere jeden, der das sehr gut kann. Irgendwie muss man es schaffen eine Fülle von Gefühlen in einen Akt zu packen, der auch noch so unglaublich viele Fassetten haben kann, dass fast alles erlaubt ist. Das ist wirklich nicht einfach. Man muss Frau Riebe schon Recht geben. Sex gehört einfach dazu. Selbst in einem meiner älteren Texte habe ich eine entsprechende Szene gefunden. Gelungen? Vielleicht. Auf jeden Fall ist Erotik in Erzählungen, wie im realen Leben einfach Geschmackssache.

…So streifte seine Hand vorsichtig über ihren Bauch, hoch zu ihrem Hals und von dort aus zu ihrem Busen, den er behutsam berührte, aber die Berührung allein verriet ihm, dass es ihr genauso ging wie ihm.

Wieder schaute er ihr in die Augen und sie lachte, zog sich mit beiden Armen an seinen Schulterblättern hoch, sodass er den Halt verlor und schließlich auf dem Rücken landete…

…Als sie die Augen öffnete schienen die Sterne, als seien sie Schneeflocken, die langsam zur Erde fallen und der Sand schlug Wellen gegen das ruhende Meer. Sie spürte ihn mit allen Sinnen. Die aufregend quälende Lust brachte sie um den Verstand…

…Nur langsam kam sein Atem zur Ruhe. Das Pulsieren in ihrem Unterleib schien in der ganzen Welt hörbar. Weder er noch sie wollte die Umarmung lösen, als sich beide Körper nach dem inneren Beben zu beruhigen begannen. Vorsichtig streichelte sie seinen Nacken und küsste ihm den Hals. Leise hörte sie ihn durch ihre Haare lachen und seine Umarmung wurde wieder fester, als sie leise in sein Ohr flüsterte: „Noch mal!“


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Das Isis-Tor

Sep
10

Das Isis Tor
Marliese Arold

 Ägypten – das geheimnisumwitterte Reich der Pharaonen. Für Sonja erfüllt sich der Traum eines jeden Archäologen: Sie soll eine wissenschaftliche Grabung leiten und die letzte Ruhestätte der Königin Nofretete finden. Bei einem Ausflug in die Wüste gelangt sie durch ein Zeitportal ins alte Ägypten und reist dreitausend Jahre in die Vergangenheit. Doch wie lange kann ein Mensch des 21. Jahrhunderts in der grausamen Epoche von Pharao Echnaton überleben? Und was ist das Geheimnis Nofretetes und ihrer Unsterblichkeit?

Gerade als sie und Claus beschließen eine Familie zu gründen und dafür die geeignete Wohnung in Hamburg suchen, erhält Sonja einen Anruf ihres besten Freundes und ehemaligen Studienkollegen aus früheren Zeiten. Als die Zusage der ägyptischen Altertümerverwaltung aus Kairo eintrifft, muss sich Sonja entscheiden. Doch Claus, ihr damaliger Professor und jetziger Lebensgefährte, scheint sich nicht für sie zu freuen, obwohl sie ihre Doktorarbeit über Nofretete geschrieben hatte und gerade nach diesem Grab wird jetzt gesucht. Für Sonja eine einmalige Chance.

Sie nimmt den Job an und reist nach Ägypten. Doch schon bei Ihrer Ankunft am Ausgrabungsort muss sie sich mit Hans Peters, dem vorläufigen Ausgrabungsleiter und Hassan Mahmud, dem Schnittleiter, auseinander setzen. Diese merken schnell, dass es Sonja an Erfahrung fehlt und auch sie zweifelt die ganze Zeit an ihren eigenen Entscheidungen. Schließlich ist dies ist erster richtiger Job nach dem Studium. Denn vorher hatte sie mehr oder weniger Aushilfsarbeiten in Museen angenommen. Mit ihren 35 Jahren fehlt ihr viel Praxis.

Zu allem Überfluss stößt der Physiker Jonas Steffens zum Ausgrabungsteam. Dieser erzählt Sonja die haarsträubende Geschichte von Zeitreisen und dem Isis-Tor. Selbstverständlich schenkt sie ihm keinen Glauben.

Doch als sie Claus anruft und plötzlich eine Frauenstimme am anderen Ende der Leitung zu hören ist, gibt sie dem sympathischen Spinner eine Chance und folgt ihm auf der Suche nach einem Isis-Tor in die Wüste. Was Sonja sich zuerst als kleinen Ausflug gedacht hatte, endet in Achetaton zur Regierungszeit Echnatons und hier müssen Sonja und Jonas nicht nur um ihr Leben kämpfen…

Marliese Arold schreibt sehr einfach, sodass sich das Buch ziemlich schnell und angenehm lesen lässt. Sie erzählt allerdings etwas oberflächlich, schafft es aber dennoch den Spannungsbogen immer oben zu halten oder aufs Neue hervorragend aufzubauen und das ist eigentlich der Punkt, der dieses Buch lesenswert macht. In der Geschichte finden sich erotische Szenen und magische Ereignisse. Beides nicht zu übertrieben, sodass man mit den Augen rollen müsste. Doch hauptsächlich geht es um die Liebesgeschichte zwischen Sonja und Jonas, sowie das Überleben in Achetaton.

Eigene Meinung – unterhaltsam

Eine schöne Erzählung und auch die Protagonistin Sonja hat mir gefallen. Sie ist sympathisch und echt. Das ist bei Protagonisten nicht so oft der Fall. Heutzutage gibt es sicherlich einige Frauen, denen es so oder ähnlich ergeht oder ergangen ist, wie Sonja. Allerdings musste ich bei der Idee der Zeitreise und dem Geschichtsverlauf die ganze Zeit an Die Prophetin von Luxor von Suzanne Frank denken. Hier gibt es doch Ähnlichkeiten.

Einige Stellen in dem Buch haben mich allerdings doch genervt, hier stimmt etwas mit der Handlung nicht oder es wurde etwas weggestrichen. Auf jeden Fall gibt es seltsame Entwicklungen bzw. die Charaktere verhalten sich plötzlich nicht ihrer Beschreibung entsprechend.

Was man von diesem Buch auf keinem Fall erwarten kann, ist eine genaue Schilderung der Epoche Echnaton. Hier sind die Beschreibungen wirklich einfach gehalten. Wer Christian Jacq gelesen hat, dem sei gleich gesagt, das das Niveau bezüglich der historischen Darstellungen ein ganz anderes ist.Als eine etwas „exotische“ Lesekost für zwischendurch auf jeden Fall empfehlenswert.

Ein ganz liebes Dankeschön an Soleil – Verlorene Werke, die mir dieses Buch geschickt hat. Ich habe mich sehr gefreut.


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