Alles Sense

Alles Sense
Terry Pratchett

Tod, der Sensenmann der Scheibenwelt, hat einen klar umrissenen Arbeitsauftrag: Unparteiisch und regungslos soll er diejenigen abholen, deren Lebensuhr der Sand ausgegangen ist. Doch in letzter Zeit hat Tod dabei etwas zu viel Sympathie für die Spezies Mensch gezeigt. Seinen Vorgesetzten gefällt das ganz und gar nicht, und so drücken sie Tod nun selbst ein Stundenglas in die Hand und schicken ihn ungefragt in den Ruhestand. Dem Schnitter bleibt nichts anderes übrig, als sich als Farmgehilfe zu betätigen…

Irgendwie schmeckt es den Oberen nicht, dass Tod nicht nur eine Persönlichkeit hat, sondern wohl auch eine ist. Das geht nicht! Wenn etwas eine Persönlichkeit hat, darf es das nicht geben. Mit dieser sehr unpräzisen Begründung wird Tod entlassen. Lediglich sein Pferd Binky und die Sense darf er mitnehmen.
Während Tod alias Bill Tür seine ersten Erfahrungen mit Gefühlen und der Zeit macht, staut sich auf der Scheibenwelt die Lebensenergie, weil nichts mehr wirklich stirbt.
Dies führt auch in der Unsichtbaren Universität zum Ausnahmezustand, denn eigentlich sollte Windle Poons, seines Zeichens Zauberer und weit über 100 Jahre alt, von Tod persönlich abgeholt werden. Dummerweise war dieser bereits zum Zeitpunkt des Ablebens des Zauberers bereits entlassen. Da Poons nicht so recht weiß, was er als Untoter tun soll, kehrt er der Einfachheit halber in seinen Körper zurück. Doch so leicht ist es mit dem Untotsein nun auch wieder nicht. Vor allem dann nicht, wenn alle anderen der festen Überzeugung sind, dass alles in bester Ordnung ist, bis plötzlich Schrauben, Türen und Kleidungsstücke Leben eingehaucht wird. Während Poons als Zombie Ankh-Morpork rettet, muss Tod auf Fräuleins Finkwert Farm die Ernte einbringen, dabei rinnt der Sand seiner Lebenszeit kontinuierlich durch die Uhr. Wie halten die Menschen das bloß aus? Kampflos gibt Tod allerdings nicht auf.

Eine sehr interessante Frage, die Pratchett in diesem Buch behandelt. Was würde passieren, wenn es den Tod tatsächlich nicht mehr gebe? Schon im Buch „Gevatter Tod“ bzw. „Mort“ wird Tod als Persönlichkeit der Scheibenwelt vorgestellt. In „Alles Sense“ muss er sich durch seine Entlassung gezwungenermaßen dem Leben und Gefühlen stellen. Für Tod eine sehr befremdliche Erfahrung. Besonders mit dem Phänomen Zeit kommt er nicht wirklich zurecht und so schmiedet er einen Plan dem neuen Tod zu entrinnen, wohlwissend, dass man dem Tod nicht entkommen kann. Doch weiß das der neue Tod?
Nebenher ist dieses Buch eine sehr angenehme Parodie auf alle Zombie-, Werwolf- und Vampirgeschichten, den Poltergeist nicht zu vergessen.

Eigene Meinung
Selbstverständlich ist auch dieser Roman gespickt mit dem klassischen Witz und Humor von Pratchett. Da die Handlung in diesem Roman weniger kompliziert ist, liest er sich sehr schnell und flüssig. Wie schon bei „Gevatter Tod“ hat dieses Buch eine abgeschlossene Handlung und kann auch sehr gut von jemandem gelesen werden, der noch keinen Scheibenwelt-Roman zuvor gelesen hatte. Lediglich die Witze auf einzelne Charaktere, wie den Erzkanzler Ridcully und den Bibliothekar gehen ein bisschen unter. Ein sehr angenehmes und kurzweiliges Lesevergnügen.

„…Tod hatte es schon mit Flammenrössern und Knochenmähren probiert, aber die waren ihm zu unpraktisch, vor allem die Flammenrösser, die regelmäßig ihre Streu in Brand setzten und anschließend mit belämmerter Miene vor der Bescherung standen, die sie selbst angerichtet hatten. …“

„…“Gestorben wird immer“, sagte Ridcully, ohne auf ihn einzugehen. „Alles stirbt. Sogar Gemüse.“
„Ich glaube nicht, dass Tod schon mal eine Kartoffel geholt hat, sagte der Dekan zweifelnd…“

„…MANCHE FORDERN MICH ZU EINEM SPIEL HERAUS. DER EINSATZ IST DANN IHR LEBEN.
„Gewinnt auch mal jemand?“
NEIN. ABER IM LETZTEN JAHR HATTE EINER DREI STRASSEN, DAS ELEKTRIZITÄTSWERK UND DAS WASSERWERK.
„Wie bitte? Was soll das für ein Spiel sein?“
ICH KANN MICH ICHT ERINNERN. ‚ALLEINBESITZ‘ ODER SO ÄHNLICH. ICH WAR DER SCHUH. …“

Cover und Qualität:
Nachdem „Alles Sense“ nicht mehr im Goldmann Verlag erscheint, sondern von MANHATTAN verlegt wird, hat sich das Cover verändert. Zumindest sind in diesem Roman nicht so viele Tippfehler wie in „Voll im Bilde“. Das ist schon sehr positiv.
Seltsamerweise wird nun die Sprache des Bibliothekars nicht mehr mit dem klassischen „Ugh“ übersetzt sondern plötzlich mit „Uuuk“. Warum auch immer?!

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