Feuerklingen

Joe Abercrombie

Für Logen, den Barbarenkrieger, der eigentlich nur seine Ruhe haben will, und den zynischen Großinquisitor Glokta, der eigentlich durch nichts zu erschüttern ist, hat die Begegnung mit einer lebenden magischen Legende alles verändert. Und so finden sie sich plötzlich im Zentrum kriegerischer Geschehnisse wieder, bei denen es um nichts Geringeres als die Zukunft des Reichs geht. Plötzlich werden offene Rechnungen eingefordert, uralte Geheimnisse aufgedeckt und über allem weht die Magie aus den Anfängen der Zeit…

 

Feuerklingen von Joe Abercrombie
Feuerklingen von Joe Abercrombie

Während Logen mit Bayaz und seiner illustren Truppe zum Ende der Welt aufbrechen, ohne genau zu wissen, was der Zweck ihrer Reise ist, verschlägt es den Großinquisitor Glokta in das heiße Dagoska, wo er sich einer Übermacht von Gurkhisen gegenüber sieht, die versuchen diese Enklave der Union einzunehmen. Mehr und mehr rückt sein eigentlicher Auftrag in den Hintergrund und am Ende werden nicht nur seine Überzeugungen, sondern auch seine Gefühle auf die Probe gestellt. Im Norden hingegen muss sich Major West gegen die anderen hohen Ränge der Königstreuen behaupten. Nach einer Schlacht muss er mit den Nordmännern, die niemand anderes sind als Neunfingers alte Kampfgefährten, gemeinsame Sache machen und dabei gerät sein Weltbild ins Schwanken. Erst recht, als er die wahre Natur seines Prinzen, dem er trotz allem treu ergeben ist, kennenlernt. Nicht viel anders ergeht es dem hübschen Hauptmann Luthar, den Bayaz ebenfalls rekrutiert hatte. Auf der lebensgefährlichen Reise wird er mehr als einmal an die Grenzen seiner Fähigkeiten getrieben. Logen hingegen versucht weiterhin zu überleben und aus dem hochnäsigen Luthar, dem kränklichen Quai und der hasserfüllten Ferro eine zuverlässige Truppe zu bilden. Doch die Geschehnisse verändern alle von ihnen und oft anders, als sie es selbst für möglich gehalten haben. Besonders dann, als sie bei ihren erhofften Zielen scheinbar ankommen.

Auch dieser zweite Teil umfasst knapp 800 Seiten wie bereits der erste. In Feuerklingen knüpft Joe Abercrombie direkt an das erste Buch dieser Trilogie an und erzählt die Geschichten der einzelnen Figuren weiter, wobei er es bei den drei Handlungssträngen belässt.

Wurden im ersten Teil alle wichtigen Personen vorgestellt, zeigt der zweite Teil ihre Entwicklung und hier hat sich der Autor Einiges einfallen lassen. Dabei bedient er sich anderer Figuren, die teilweise auftauchen und wieder verschwinden, allerdings passen sie immer hervorragend in die Handlung. Dennoch stellt er diesmal vier Figuren stark in den Vordergrund: den Großinquisitor Glokta, der die ganze Zeit um sein Leben fürchten muss, selbst bis zur letzten Seite. Den schönen aber doch recht verwöhnten Hauptmann Luthar, den das Leben das erste Mal so richtig in den Arsch tritt. Die rachsüchtige Ferro in der Gruppe von Bayaz, die sich plötzlich Gefühlen stellen muss, die ihr vielleicht Angst machen, aber von denen sie nicht lassen kann. Zu guter Letzt natürlich den erfahrenen Kämpfer Logen, der weiterhin immer noch versucht, all die Sachen, die um ihn herum passieren, zu überleben. Dabei wird nicht nur seine Geduld und Gesundheit auf die Probe gestellt.

Wie man schon erahnen kann, zeigt Abercrombie in dem zweiten Teil, was er bezüglich Aufbau und Entwicklung von Charakteren drauf hat und das ist eine ganze Menge. Zudem geht die Handlung schnell voran und jeder Handlungsstrang ist in sich schlüssig und hervorragend ausgearbeitet. Die vielen Seiten sind tatsächlich den unterschiedlichen Figuren und ihrer Geschichte geschuldet, die in diesem Teil weitererzählt wird. Darüber hinaus wird auch die Vergangenheit der Welt geschildert und die politischen Zusammenhänge verdeutlicht. Entstehung und Untergang, frühere politische Machtkämpfe und die Auswirkungen auf die sich jetzt abspielende Handlung, Intrigen, Strategien und Manipulationen, zwischenmenschliche Konflikte, Selbsterkenntnis, Sex – Abercormbie lässt in diesem Buch nichts davon aus. Spickt das Ganze mit einem angenehmen Humor und Gesellschaftskritik, aber auch harten Worten. Hier bleibt er dem Stil des ersten Buches treu.

Tatsächlich liest sich der zweite unglaublich spannend und kurzweilig. Die langatmigen Stellen, die es in Kriegsklingen teilweise gab, finden sich bei Feuerklingen definitiv nicht mehr.

 

Eigene Meinung

War ich beim ersten Teil von dem ganz neuen Aufbau der Handlung und der Figuren angetan, so bin ich vom zweiten Buch einfach nur begeistert. Besonders gefallen haben mir die Entwicklungen der Hauptcharaktere, welche diese in dem Buch durchlaufen. Voller Selbstzweifel und doch mit kleinen Veränderungen. Hier beweist Abercrombie sein Können, indem er diese Prozesse in eine spannende Erzählung einbettet. Zudem schafft er es, die eigenständigen Handlungsstränge so zu gestalten, dass sie doch indirekt aufeinander Einfluss nehmen und man nicht selten denkt: „Oh ne, das wird jetzt an der Stelle gar nicht mehr so weitergehen können, wie ich es mir gedacht habe.“ Allein das ist ein Grund weiterzulesen.

Über die Zielgruppe für dieses Buch habe ich mir ebenfalls Gedanken gemacht. Ich stelle sie mir eher älter vor, also 20+ und hauptsächlich männlich. Ob ich damit wohl Recht haben könnte? Zumindest fehlt der Erzählung diese 08/15 Lovestory und an vielen Stellen will man an Teil-Happyends glauben, wie man sie oft in Mainstream-Romanen findet.

Tatsächlich gefällt mir die Schreibweise von diesem Autor unglaublich gut. Dieses „show don’t tell“ ist manchmal sowas von „Für‘n Arsch“. Hier gilt es eine gute Mischung zu finden und Joe Abercormbie hat sie. Neben Terry Pratchett ist es der erste Autor seit Langem, wo ich denke: „Boah, so will ich auch mal schreiben.“

Der dritte und letzte Teil dieser Serie um den blutigen Neuner steht bereits auf meiner Wunschliste. Königsklingen sind ein Muß!

Deswegen: Alle, die Fantasy abseits von Elfen, verliebten Vampiren und allem anderen Chichi mögen, finden mit Joe Abercrombie hervorragende Unterhaltung.

 
Mehr über den Autor: http://www.joeabercrombie.com/books/

 

Zur Rezension von Kriegsklingen

Kriegsklingen

 

„Ich erinnere mich an Sie. Sie waren in Gurkhul, im Krieg. Ein Major der Königstreuen, der allgemein als Trottel galt. Offenbar haben Sie sich erfolgreich hochgearbeitet, wie Trottel es in der Regel tun.“

 

„…Furcht lehrt Euch die Vorsicht, den Respekt vor Eurem Feind, und wie man scharfen Gegenständen, die im Zorn geschwungen werden, aus dem Weg geht.“

 

„Erst denken sie, ihre Macht habe keine Grenzen. Einen Augenblick später können sie nicht einmal mehr atmen. Manchmal ist Macht nichts als ein Trick, den das Hirn einem vorgaukelt.“

 

„Wen interessiert denn, wessen Sohn du bist, wenn du nicht mehr taugst als ein Haufen Scheiße? Ich würde nicht mal auf den pissen, wenn er brennt.“

 

„…‘Böse?‘ Bayaz schnaubte verächtlich. ‚Das ist ein Wort für Kinder. Ein Wort, das die Unwissenden gern gegenüber jenen gebrauchen, die nicht mit ihnen einer Meinung sind…“

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