Der Wortenhort – 1. Teil des Haddath-Zyklus

Christian von Aster

Bücher, welche die Fünf Götter selbst in der Zeit vor der Zeit verfassten. Sie stellten dem Hort einen Wächter zur Seite und schufen ein Volk ihm zu dienen. Wo aber jene Bibliothek der Götter sich befindet, weiß niemand, obwohl die alten Lieder davon künden. Die Welt jedoch hat ihre Mythen vergessen. Nur wenige wissen um die alten Legenden und weniger noch um die Wahrheit darin. Bis Ras’Dshakarr, dem Fürsten von Koon, eine jener Geschichten in die Hände fällt und das Schicksal seinen Lauf nimmt…

 

Haddath wächst als hervorragender, aber körperlich schwächlicher Schüler in größter Abgeschiedenheit des weltabgewandten Ordens der Kazarren auf. Erst mit seiner Bestimmung, die ihm als Jugendlicher offenbart wird, entlassen ihn seine Ordensbrüder in die Welt, mit nichts weiter im Gepäck als seinem Stab und einem Beutel voller Abschriften der Lieder, die sie ihn jahrelang gelehrt haben. Sehr bald stellt Haddath fest, dass man ihn in all den Jahren zwar die heiligen Lieder und Legenden gelehrt hatte, er aber von der Welt an sich überhaupt keine Vorstellung hat. Natürlich gerät er an den erstbesten Dieb, der ihn das Überleben zeigt, dann an die ersten Weiber und noch anderes Volk. Doch trotz all der Lektionen, die ihm in kürzester Zeit zuteilwerden, verliert er nie seine Bestimmung aus den Augen: Er will den Prinzen ohne Land finden, koste es, was es wolle. Zeitgleich macht sich der große und gefürchtete Kriegsherr von Koon im Auftrag seines Fürsten auf den Weg zu einem abgelegenen Tempel, um dort den einzigen Hinweis auf den Wortenhort nachzugehen, von dem sein Fürst besessen ist. Doch seine Pläne wurden verraten, denn als er ankommt, findet er nichts von dem, was ihm versprochen wurde. Ohne es zu wissen, macht er sich mit seinem Handeln mehr Feinde, als er denkt. Haddath hingegen folgt den winzigsten Hinweisen und trifft dabei auf einen Geisterschwörer. Dieser scheint der erste auf seiner langen Reise zu sein, der etwas über den Prinzen weiß, doch bevor er sein Wissen an Haddath weitergeben kann, passieren schicksalshafte Dinge…

Im ersten Teil erzählt von Aster die Geschichte eines naiven und vollkommen untypischen Helden. Haddath ist ausgesprochen intelligent, körperlich schwach, mag Weib und Wein, und handelt fast immer zu seinem eigenen Vorteil, zudem hat er überhaupt keine Ahnung von der Welt. Auf seiner Reise lässt der Autor den Protagonisten nach und nach die wichtigen Dinge entdecken und schnell lernen. Zeitgleich eröffnet er dem Leser einen weiteren Handlungsstrang, den um den Kriegsherrn Tukass von Koon. Hinzukommen weitere kleinere Geschichten, die die Geschehnisse immer mehr zusammenführen, so dass man gut aufpassen muss, vor allem auch, da von Aster sehr viele außergewöhnliche Namen, Titel, Zeiteinheiten und Ortsnamen in die Erzählung einfließen lässt. Erst im letzten Drittel des Buches treffen alle Stränge zu einem kleinen Finale zusammen und erklären viele Dinge, die einem während des Lesens nicht sofort klar waren.

 

Die gewählte Sprache passt sehr gut zu der phantastischen Erzählung, die allerdings sehr weit weg vom Mainstream liegt. Hier haben alle Charaktere sehr menschliche und typische Schwächen und Stärken, es gibt keinen goldenen Helden, die meisten Figuren haben Laster und Dreck am Stecken. Tatsächlich muss man sich sogar mit dem Protagonisten erst einmal anfreunden. Das alles wird begleitet von einem angenehmen, etwas schadenfreudigen Humor, so dass man gerne weiterliest und wissen möchte, wie die Geschichte endet.

 

Eigene Meinung

Ich hatte zu Beginn meine Schwierigkeiten, mich auf den Protagonisten einzulassen. Zuerst dachte ich, es sei ein bisschen was von Pratchetts Rincewind, doch da lag ich sowas von daneben und dieser vergleichende Gedanke verflog sehr schnell.

Haddath gehört einem Orden an, den die Welt nicht mehr braucht und auch nicht schätzt. In der realen Welt wird er fortgejagt, ausgelacht und mit Unrat beworfen. Verstehen kann er das nicht, doch er lernt schnell, wie man Leute hintergeht, ausnutzt und seinen eigenen Vorteil aus jeder Sache schlägt. Das sind nicht unbedingt die Merkmale, die man einem handelsüblichen Durchschnittshelden zusprechen möchte. Auch der Antagonist, der eigentlich nicht wirklich einer ist, entspricht wenig der klassischen Vorstellung. Seine besten Jahre sind schon vergangen, er weiß, dass er bald in den Ruhestand gehen möchte und er hat sich bereits einen jungen und recht hübschen Protegé herangezogen. Seinem Fürsten dient er treu, auch wenn er seine Absichten verteufelt.

Aber vielleicht ist es gerade das, was diese Geschichte ausmacht. Sie ist zudem mit vielen interessanten Ideen zu Magie, Geisterbeschwörung und Mythologie gespickt. Hier wurden sehr spannende Elemente in die Handlung eingebaut, über die man als Leser mehr erfahren möchte. Teilweise ist es schade, dass diese Stellen nur als Nebenhandlung dienen. Dies ist aber sicherlich persönliches Leseempfinden.

 

Fazit: Ein sehr schönes und erfrischend anderes Stück Fantasy, das ich gerne gelesen habe und das mich sehr zum Nachdenken gebracht hat, wie wir von berühmten Werken geprägt sind, so dass uns andere Figuren und Handlungen zuerst irritieren. Dennoch können auch diese uns mitreißen und auf eine phantastische Lesereise entführen. Wir sollten uns öfters darauf einlassen.

 

Anmerkung: Wie ich feststellen musste, existiert weder der zweite noch der dritte Teil des Zyklus‘, was sehr schade ist. Die Neugier trieb mich zur Anfrage bei Christian von Aster und vielleicht habe ich Glück und kann etwas mehr zu diesem Roman in Erfahrung bringen. Bleibt dabei!

 

„…Ein Fluss wie dieser, der die Welt durchmaß, im gleichen Augenblick an allen Orten zwischen Quelle und Meer weilte und dabei eine solche Gewalt innehatte, machte ihn Staunen…“

 

 „…Ob sie ihn willentlich betrogen hatte oder nicht, zumindest war sein kleines Sterben eines der wenigen Erlebnisse, die ihm in all der Zeit etwas Kurzweil bereitet hatten…“

 

„…Siehst du nicht an mir, dass Bestimmungen nichts Gutes sind?…“

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